Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Ein Griff an die Wurzel
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 545 (sequence 3)
- Language
- German
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Lin Griff an die Wurzel. 54k daß sie angeblich dazu beitragen sollen, bei Anderen die Vaterlandsliebe zu entwurzeln; aber auch dieser Vorwurf ist vollständig unbegründet, denn der deutsche Jude liebt sein Vaterland, an besten Kulturerrungenschaften getaufte und ungetanste Juden mitgearbeitet haben, dessen Sitten und Sprache mit ihm verwachsen sind und als dessen Pioniere deutsche Juden sich in allen Weltthcilen bewährt haben und noch bewähren. Trotzdem wir keine verzärtelten Kinder des deutschen Reiches sind, meinen wir es sicher besser mit ihm, als jene begünstigten Parteien, die wie Goneril und Regan als angebliche Schützer von Thron und Altar durch Heucheln und Schmeicheln die Herrschenden noch bei Lebzeiten beerben und dann der Wuth empörter Elemente preisgeben möchten. Der Glöß'sche Plan, erst eine kleine Judenverfolgung anzuzetteln und dann in breiter gesetzgeberischer Schlacht die einheimischen Haupthetzer zu vernichten, worunter die Antisemiten wohl nicht nur die Sozialdemokraten verstehen, ist durchsichtig genug. Soll Deutschland wirklich zur Ruhe und zu einem gedeihlichen Frieden gelangen, dann muß das deutsche Volk sich allerdings und zwar zu allererst der Haupthetzer entledigen, jener „falschen Freunde", die es zu Lug und Trug, zu Unduldsamkeit und Unmenschlichkeit verleiten wollen, deren unversöhnliche Feindschaft die deutschen Juden sich eigentlich zur Ehre anrechnen müssen! Wenn das deutsche Volk die Minderwerthigkeit derjenigen, die es zu umgarnen versuchten, jetzt zu erkennen beginnt, so ist das einestheils ein Beweis für den guten sittlichen Kern, der in ihm steckt, andererseits aber auch das besondere Verdienst der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, deren Liebe zum Vaterlande zu allen Zeiten Stand hielt und die sich durch keine Zurücksetzung verbittern ließen. Nicht sie sind es, die den Umsturz wollen oder auf irgend eine Weise befördern, sondern ihre erbittertsten Gegner und Ankläger sind es, von denen Staat und Gesellschaft das Schlimmste zu befürchten haben. Der „Staatsbürger-Zeitung", welche doch nur aus Judenhaß mit Begeisterung für den Glöß'schen Vorschlag eintrat, erwiderte das Sozialißenblatt „Vorwärts" anscheinend scherzhaft, die Auslieferung der „jüdischen Hauptleute" wäre am Ende nicht so schlimm, wenn dafür dem zurückbleibenden Gros der Sozialdemokratie „General- 36