Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Ein Griff an die Wurzel
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 544 (sequence 2)
- Language
- German
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544 Im deutschen Reich. verflucht gescheut, man wär^ versucht, ihn herzlich dumm zu nennen!" Im Grunde muß ja, wer solches den maßgebenden Kreisen vorschlägt, denselben nicht nur eine sehr niedrige Moral, sondern auch sehr geringes politisches Verständniß zutrauen. Man sollte annehmen, daß sich auf diese schiefe Ebene kein vernünftiger Staatsmann von den „falschen Freunden" des deutschen Volkes werde locken laffen, wer! er wissen muß, daß schließlich Ehrlichkeit die größte Staatsweisheit ist. Den Kreisen, welchen die Dresdener Bilderbogen-Fabrikanten und ihre Berliner Bewunderer das neue Ausnahme-Gesetz ansinnen, ist genau bekannt, daß die Gesammtheit der Juden keiner einzelnen Partei zugehört, daß Juden vielmehr fast in allen politischen Fraktionen zu stnden sind, selbstverständlich mit Ausnahme derjenigen Fraktionen, die sich ihnen grundsätzlich verschließen. Deshalb ist die sich nur auf die Theilnahme einzelner Juden an der sozialdemokratischen Bewegung stützende Behauptung, welche den angeblichen „inneren Zusammenhang zwischen Sozialdemokratie und Judenthum" betrifft, Jrrthum oder bewußte Unwahrheit. Wir haben die Sozialdemokraten nicht gegen den antisemitischen Vorwurf, die Stellung der Frau zu erschüttern und die Aufhebung der Ehe anzusireben, zu vertheidigen. Das aber müssen wir als geradezu lächerlich bezeichnen, daß nach den Angaben des Herrn Glöß und der „Staatsbürger-Zig." die Juden zwar heute noch wie seit Jahrtausenden ihr eigenes „vielberühmtes Familienleben" unantastbar erhalten, aber außerhalb ihrer eigenen Kreise Lehren fördern sollen, die zur Unzucht und Blutschande führen. Daß sich christliche Deutsche von jüdischen Deutschen, die selbst ein Musterhaftes Familienleben führen, zur Zerstörung des Familienlebens verleiten lassen sollen, ist eine so unsinnige Verleumdung der nichtjüdischen Deutschen, daß w i r diese gegen solchen Schimpf nicht zu vertheidigen brauchen! Nicht minder widersinnig ist die Behauptung, daß Juden die leitende Rolle bei der künftigen Verstaatlichung des Eigenthums anstreben sollen, dieselben, welche von den Antisemiten sonst beschuldigt werden, aller Idealität bar nur nach dem Besitz zu streben, die typischen Vertreter des Mammonismus, Kapitalismus und Egoismus zu sein. Weit schmerzlicher berührt gewiß die Juden der Vorwurf,