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Im deutschen Reich · 1897-11-01 · Heft 11 (November 1897) · p. 546

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 11 (November 1897)
Article
Ein Griff an die Wurzel
Date
1897-11-01
Page
546 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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546 Im deutschen Reich. pardon" für die weitere Agitation gewährt würde. Das Antisemitenblatt, dessen Leiter wissen müssen, daß ihre Umsturzarbeit wenn auch vielleicht unabsichtlich die Sozialdemokratie weit mehr fördert als dies durch die Mitarbeit einzelner Juden in der sozialdemokratischen Fraktion geschieht, wußte darauf keine andere Antwort, als daß sie in der von ihr befürworteten Ausweisung jene wenigen angeblichen Hauptmacher „einen Griff an die Wurzel" erblicke. Wenn in dem betreffenden Artikel gesagt wird: „Im deutschen Märchen wird häufig von dem Baum erzählt, der trotz aller gärtnerischen Be-' mühungen immer wieder dahinwelkt, bis endlich man an seiner Wurzel die Kröte entdeckt, die ihm die besten Säfte entzieht; mit einem kräftigen Tritt auf ihr giftiges Haupt erhält der Baum den Glanz seiner Blätter zurück", so finden wir dies sehr richtig, wenn auch nicht im Sinne der Märchenerzähler. Die giftige Kröte, welche seit Dezennien an der Wurzel des deutschen Baumes sitzt, ist die Unzufriedenheit, welche die Judenhetzer in diejenigen bürgerlichen Kreise hineingetragen haben, die vorher fleißig, gesittet, duldsam und friedlich ihrem Gewerbe nachgingen und nie daran dachten, den vorübergehenden Druck mißlicher wirthschaftlicher Verhältnisse einem Beftandtheil der deutschen Bevölkerung zur Last zu legen, der unter diesem Druck selbst empfindlich leidet. Jene ehemals so friedlich gesinnten Bürger, deren Gemüth täglich und stündlich durch gewissenlose Hetzer verbittert, deren Wohlstand durch Theilnahme an einer wüsten Wühlerei und Ernährung ganzer Schaaren von berufsmäßigen Hetzern erst recht zerrüttet wird, können mit der Zeit zu einer weit schlimmeren Geiahr für den Staat werden, als diejenigen, die man durch mittelalterliche Judenaustreibungen unschädlich zu machen vorschlägt. Deshalb ist es hohe Zeit, daß die „falschen Freunde" des Bürgerthums entlarvt werden und mit einem kräftigen Tritt auf das giftige Haupt der Hetzerei dem Nassen- und Religonshaß ein Ende gemacht wird. Nach dieser befreienden That wird der deutsche Baum den Glanz seiner Blätter zurückerhalten, und in seinem Schatten werden Bürger der verschiedensten religiösen Bekenntnisse zur friedlichen und segensreichen gemeinsamen Arbeit wieder Lust und Kraft finden. Alphonse Levy.

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