Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Ein Griff an die Wurzel
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 543 (sequence 1)
- Language
- German
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-543 Ein Griff an die Wurzel. Wknt« der Ueberschrift „Falsche Freunde" empfahl vor einigen Tagen die „StaatSbürger-Ztg." den unter demselben Titel bei dem bekannten Dresdener Antisemiten Glöß erschienenen „Politischen Bilderbogen Nr. 24" und den darin dargelegten Plan, ein Ausnahmegesetz gegen sozialdemokratische Juden zu erlassen. Der mit der konfessionellen Eidesformel erzielteErfolg scheint Herrn Glöß auf den Gedanken gebracht zu haben, zur Befriedigung seines Judenhasses ein Mittel anzurvenden, das er wahrscheinlich, wenn ein Jude ein ähnliches Mittel zur Erreichung irgend eines Zweckes anwenden wollte, mit sittlicher Entrüstung als „jüdisch" bezeichnen würde, das man aber sonst mit dem landläufigen Ausdruck „jesuitisch" zu kennzeichnen pflegt und in Zukunft mit größerem Recht „antisemitisch" nennen wird. Er schlug nämlich ein ausschließlich gegen sozialdemokratische Juden gerichtetes Gesetz vor und bemerkte dazu: „Man kann aus staatsrechtlichen Gründen jede antijüdische Form in der Fassung dieses Gesetzes vermeiden und es doch spezifisch antisemitisch wirken lassen. Es könnte vielleicht so lauten: „Wer durch Schrift oder Wort oder durch Hergabe von Geld auf den sozialdemokratischen Umsturz der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung hinarbeitet, kann auf Lebensdauer des Landes verwiesen werden, wenn er oder seine Familie erst durch Gesetz oder Naturalisation die deutschen Staatsbürgerrechte erlangt hat." Diese inzwischen von der „Staatsbürger-Zeitung" und mehreren anderen antisemitischen Blättern warm empfohlene Hinterlist steht in so schroffem Gegensatz zu der Offenheit und Geradheit, welche dem deutschen Volke stets nachgerühmt wurde, daß es eine schmähliche Beleidigung des letzteren bedeutet, wenn ihm seine „falschen Freunde" solche Tücke ansinnen. Antisemitismus ohne jede antijiidische Form zu treiben, das ist die wahrlich nichts weniger als deutsche und ehrliche Losung, welche damit der Bilderbogen - Fabrikant Glöß und seine Genossen ausgegeben haben. Man möchte mit Schiller sagen: „Wär' der Gedanke nicht