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Im deutschen Reich · 1897-11-01 · Heft 11 (November 1897) · p. 539

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 11 (November 1897)
Article
Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
Date
1897-11-01
Page
539 (sequence 6)
Language
German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 539 griff genommen werden sollen. Wenn der neue Justizminister nur das Ganze im Auge hat, so werden wir ihm ohne Parteiinterefle dabei helfen; denn der politische Standpunkt liegt von der Rechtspflege weit ab, oder soll doch weit von ihr abliegen." Der Eindruck dieser Rede war mächtig und tief; anhaltender Beifall folgte ihr auf der linken, lautes Zischen begleitete sie auf der rechten Seite des Hauses. Der Justizminister machte ihr den Vorwurf „äußerster Uebertreibungen" und legte gegen sie vielfach Verwahrung ein; der Präsident des Berliner Stadtgerichts berichtigte in einer besonderen 'Zuschrift an Lasker dessen Angaben über „die Wanderschaft der Deputationen in Preß- und politischen Prozessen". Achtmal in vier aufeinanderfolgenden Sitzungen sah Lasker sich genöthigt, seine Ausichten zu rechtfertigen und die Vorwürfe, „die es auf ihn regnete", abzuwehren. Aber die Rede Lasker's blieb nicht ohne Erfolg; schon für die nächste Session des Landtages wurden dahin zielende Vorlagen im Justizministerium vorbereitet. Es folgte die Gesetzgebung des Landtages in Bezug auf die Verhältnisse und Einrichtungen in den neu gewonnenen Landestheilen. Ueberall begegnete man dabei Lasker's ausschlaggebendem Walten. Am meisten jedoch fesselte sein Eingreifen in die Schlußberathung über den Gesetzentwurf, betreffend die Schließung der öffentlichen Spielbanken zu Wiesbaden, Ems und Homburg, welche er sofort verlangte, während der Entwurf der Regierung diese bis zum 31. Dezember 1872 verschob. Wie groß war die sittliche Entrüstung, mit welcher Lasker seinen Antrag motivierte, und wie wichtig das Verdikt, das er in dieser Frage abgab. In dieser Rede Lasker's vom 26. Februar kam eine neue Seite seines Lebens zum Vorschein, eine ernste Abwendung von Allem, was der Moralität einer Nation zum Schaden gereicht, — keinerlei Disposition, solcher Eventualität gegenüber sich mit halben Maßregeln abzufinden. Lasker, ein Gegner jedes nicht durch ernste Arbeit erworbenen Gewinnes, der deshalb auch dem Lotteriespiel wiederholt entgegentrat, kannte nach dieser Seite hin keine Schonung und ries in seiner von „lebhaftem Beifall" begleiteten Rede aus: „Von allen Vorwürfen, welche die Negierung über ihr Verhalten den neuen Landestheilen gegenüber trifft, ist dies der härteste, daß sie die Brutstellen der Laster und der schmachvollsten Zustände nicht s ogleich ausgetilgt hat. Ich gebe zu, daß es für manche Badeorte,

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