Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 537 (sequence 4)
- Language
- German
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Denlsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 637 die Stelle, welche er einnimmt." Lasker trug seinem Wahlkreise Meiningen, der ihm treu blieb bis 'att’ä Ende seines Lebens, reiche Ehren durch sein parlamentarisches Wirken ein. Wer möchte in Abrede stellen, daß der einsichtsvolle Abgeordnete von diesem seinem Programm. aus durch seine unermüdliche Thätigkeit, durch sein Ansehen bei der Staatsregierung, sein Vertrauen bei der Majorität im Parlament eine Periode der Gesetzgebung heraufführte, die grundlegend geworden ist zu ihrer Zeit, der späteren nur die Vervollkommnung des Geschehenen übrig gelaffen hat! Wiederholt wurden Lasker's Ausführungen durch ausdrückliche Erklärung und Zustimmung des Bundeskanzlers unterstützt, ein anderes Mal die Handlungen der Staatsregierung sehr nachdrücklich durch Lasker gerügt; oft stimmte Lasker mit der Fortschrittspartei. Das Gesetz/ betreffend Aushebung der Zinsbefchräukungen, das dem tausendjährigen Unfug der Wuchergesetze ein Ende machte, ist ausschließlich mit Lasker's Namen verbunden. Das Koalitionsgesetz der Arbeiter muß auf Lasker's Amendement zurückgeführt werden. Das Freizügigkeitsgesetz, wie das Bundesschuldengesetz, das die Verantwortlichkeit der Verwaltungsorgane zur Wahrheit machte, beruhten auf Lasker's Amendements, und mit Recht durfte er im Zusammenhänge mit diesen Gesetzen am 25. Oktober erklären: „Das war wiederum eine Erwägung, aus welcher wir uns bei der Verathung der Verfassung des norddeutschen Bundes so verhalten haben, wie wir cs gethan. Wir haben gesagt, der nächste Schritt und die nächste Session werden uns lehren, daß wir weiter gehen müssen, daß die gerechten Wünsche bald erfüllt werden müssen, das Leben wird zwingen. Es hat heute bereits angefangen zu zwingen." Gleichwohl war alles das nicht im Stande, Lasker seine Berliner Mandate zu erhalten. Wie er solches für den Reichstag verloren hatte, in welchem er dann Meiningen vertrat, so verlor er dasselbe auch für den Landtag, in welchen er darauf von Magdeburg und Stettin gewählt wurde. Er übernahm die Vertretung für Magdeburg und sprach am 27. November vor stark besetztem Hause und überfüllten Tribünen, vor einem Auditorium, das mit Spannung dem treuen Hüter des Rechtes und der Verfaffung lauschte, über zwei von ihm eingebrachte Gesetzentwürfe, welche die Redefreiheit betrafen. War doch dieses Palladium eines Parlaments, das eben erst den Mitgliedern des Reichstages in Artikel 30