Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 535 (sequence 2)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 53ö immer neue Früchte, Erträge, die zu dem eisernen Bestände des deutschen Reiches gehören. Niemand hat sich um diese Gesetzgebung mehr verdient gemacht als LaSker in seiner glühenden Vaterlandsliebe, die ihn zu immer vollerer Ausgestaltung seines großen Ideals drängte, — der Einheit und Größe, der Kraft und Stärke des deutschen Reiches und Volkes. Wo immer in den Parlamentsverhandlungen sich dazu Gelegenheit bot, erkannten selbst Lasker's Gegner rückhaltslos dessen reinen Patriotismus, dessen unermüdlich treue, hoffnungsfreudigeArbeitimDienste des Vaterlandes an. Darf es daherWunder nehmen, daßLasker bei der Schärfe und Genauigkeit, mit welcher erdenvon derRegierungvorgelegtenVerfaffungsentwurfprüfte, neben Vorzügen, die er anerkannte, auch zu wesentlichen Ausstellungen Anlaß fand? Er vermißte in dem Entwurf unter Anderem die- Feststellung des Prinzips der Verantwortlichkeit, die Bestimmung der aktiven Dienst- und der Reservezeit im 'Heere, das Jnterpellations- und Petitionsrecht des Reichstages, die Freiheit der Wiedergabe der Verhandlungen in der Presse und betonte, daß nur ein starkes Parlament geeignet sei, die Wiederkehr eines Konflikts zu verhüten. Fast zu jedem Paragraphen des Entwurfs stellte er Amendements und begründete diese, um den Entwurf für seine Partei annehmbar zu machen, zugleich voll Vertrauen, daß die Praxis selbst das beste Heilmittel gegen die Mängel des Entwurfs sein werde. Dem nationalliberalen Prinzip gemäß und seinem eigenen Temperament folgend war Lasker jederzeit dem Bestreben zugeneigt, überall gesetzmäßige Bahnen in der Verwaltung herzustellen und um diesen Preis zu einem Entgegenkommen entschlossen. Mehr jedoch als jemals war Lasker von dieser Neigung durchdrungen, als es galt, den norddeutschen Bund zu Stande zu bringen, diese Vereinigung der Staaten, der er ohne Aufschub Kraft und Ansehen zuführen wollte, damit sie wie durch das natürliche Gesetz der Anziehung das gesammte deutsche Vaterland einig und stark mache. Er war daher um alle nur erreichbaren Verbesserungen und Garantien in dem Entwurf bemüht, bis er bei der Grenze des Erreichbaren angckommen, das Gewonnene mit staatsmännischer Selbstbeschränkung annahm, um nicht das Ganze aufgeben zu müssen. Und als der Entwurf durchberathen und die Verfassung im Reichstage angenommen war, stand fest, daß Lasker's Fleiß und Arbeit, seine Einsicht und