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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 512

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Berlin
Date
1897-10-01
Page
512 (sequence 5)
Language
German
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512 3m deutschen Reich. nicht streiten wolle; derartiges liege nicht in der Stellung und den Lebensgewohnheiten seines Mandatars. Die Prüfung der Thatsache, ob mit den angeblichen Beleidigungen Sedlatzek persönlich oder die ganze Atmosphäre, in der er sich bewege, getroffen werden sollte, lege er vertrauensvoll in die Hände des Gerichtshofes. Zu seiner großen Freude sei er der Unannehmlichkeit überhoben, sich weiter mit dem Pxivatkläger und seinen Bestrebungen zu befassen, er hätte sonst eine ganze Fülle von Artikeln zum Vortrag bringen müffen, die in der Ausdrucksweise sowohl wie in der Art der Verdächtigungen nicht nur einen moralischen, sondern auch einen rein physischen Widerwillen erregen müßten. Aber man dürfe diesen Punkt getrost als gerichtsnotorisch annehmen. Ex ungue leonera! Solche Artikel seien eine Unzierde der Journalistik, eine schwere Gefahr für die Sicherheit unserer Zustände. Der Versuch der Gegenpartei, die verlesenen Dinge als Harmlosigkeiten hinzustellen, scheitere schon an der Thatsache, daß ein Gerichtshof schwere Beleidigungen in ihnen gefunden und deshalb schwere Strafe verhängt habe. Nichts anderes sei darin enthalten als hämische Verunglimpfung eines unantastbaren Ehrenmannes und Spekulationen auf unedle Instinkte der Massen. Demgegenüber könne man ein Wort Lessings parodierend sagen: „Wer nicht gewissen Dingen gegenüber den Muth hat, mit seiner Ueberzeugung hervorzutreten, der hat überhaupt keine Ueberzeugung." Es sei schwer zu entscheiden, worüber man sich mehr wundern müffe, über die groteske Behauptung oder die hämische Einkleidung. Was Freiherr v. Mirbach gethan habe, sei nicht mehr und nicht weniger gewesen als persönliche Nothwehr eines Ehrenmannes, gegen den man aus Anlaß edelster und humanster Bestrebungen die schwersten Verdächtigungen geschleudert habe. Nicht allein um seiner selbst und um seines hohen Amtes willen habe der Oberhofmeister in die Schranken treten müssen, sondern auch um des hohen Namens Ihrer Majestät der Kaiserin willen, die von gewisser Seite in ein unlauteres Treiben und in bedenkliche Machenschaften hineingezogen wurde. Herrn von Mirbach habe jede Absicht der Beleidigung absolut fern gelegen; er sei nur mit der Absicht in die Sitzung gekommen, ernste und wohlerwogene Worte zu sprechen, die seiner Ueberzeugung entsprechen. Auch aus der Form der inkriminirten Wendungen könne auf eine Beleidigung nicht geschloffen werden. Eine Vertheidigung müffe eingerichtet werden nach dem Maße des Angriffs; wie der Angriff, so die Abwehr. Wenn von einem Pfuhl gesprochen worden sei, so könne darunter nur die ganze Atmosphäre, in der sich Sedlatzek bewege, verstanden werden. Wer könne von einer Beleidigung des Lasterhaften sprechen, wenn

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