Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 505 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 505 Kurier" bereits am 31. August: „Wir in Nürnberg wissen sehr genau, wie offen die Hand unserer israelitischen Mitbürger bei jedem wohlthätigen Anlaß ist, und gerade der „Frank. Kurier" kann versichern, daß bei jeder Sammlung zu wohlthäügen Zwecken sehr namhafte Beträge aus dem Kreise unserer israelitischen Mitbürger ohne Namensnennung gespendet worden. Außerdem weiß Herr Dr. Schädler sehr genau, daß die Affaire Rosenthal in der tendenziösesten Weise aufgebauscht ist. Das hält ihn natürlich nicht ab, diese Sache zu seinen hetzerischen Zwecken zu verwerthen." Wie in Bayern der Antisemitismus nicht aufzuhören, sondern nur andere Formen anzunehmen scheint, so vollzieht sich eine ähnliche Wandlung in Sachsen, wo in Folge des neuen Wahlgesetzes gleichzeitig mit der Sozialdemokratie auch die deutsch-soziale Reformpartei bei den Landtagswahlen eine gründliche Niederlage erlitten hat. Daß die sächsischen Juden irgend einen nennenswerthen Vortheil davon haben könnten, wenn der Antisemitismus Oswald Zimmermann's vom Tivoli-Konservatismus des Hofraths Mehnert verdrängt würde, dürfte wohl Niemand ernstlich erwarten. Es ist unvergessen, daß der Urheber der Wahlreform mit Vorliebe von „unserem Stöcker" zu reden pflegte! Dem rückschrittlichen Wahlgesetze gegenüber befinden sich die sächsischen Juden in einer ähnlichen Lage wie die österreichischen Glaubensgenossen den Sprachenverordnungen gegenüber. Von Maßregeln, welche der Gesammtheit nachtheilig sind, erwarten sie keinen Nutzen, wenn auch das jetzige Wahlsystem den Erfolg einer jüdischen Landtagswahl-Kandidatur nicht als ganz unmöglich erscheinen läßt, wenn auch die antisemitischen Reformer jetzt nur noch geringe Chancen haben, denn deutsche Juden fühlen sich in jedem deutschen Lande als Theile des Ganzen und beurtheilen staatsbürgerliche Fragen nicht vom religiösen Standpunkte aus, sondern von demjenigen vaterlandsliebender Bürger. Nur wo die gesammte Volkswohlfahrt gedeiht, kann es ihnen gut gehen; nur wo man ihnen Gerechtigkeit zu Theil werden läßt, nicht versucht, mittelalterliche Zustände zurückzusühren, kann die Volkswohlfahrt gedeihen! Deshalb kann auch das rückschrittlich-antisemitische Regiment Carl Lueger's in der deutsch-österreichischen Hauptstadt unmöglich dem in sehr ungünstigen Verhältnissen befindlichen Wiener Bürgerstande wieder aufhelsen und ebenso laßt sich erwarten, daß das jetzt in Oesterreich hart bedrängte Deutschthum, als dessen Pioniere früher in Böhmen und Mähren die Juden wirkten, auch nicht durch Georg Schönerer und seinem judenfeindlichen Anhang ge-