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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 504

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Umschau
Date
1897-10-01
Page
504 (sequence 7)
Language
German
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504 Im deutschen Reich. wir die Opfer vergeblich gebracht haben, wenn wir trotz alledem den Kampf aufgeben müßten, die Schmach, sie träfe auf das Haupt derjenigen, die für unsere Sache nur Worte, aber keine Thaten hatten, sie trifft vor Allem die Felonisten und Marodeure im Rücken der Kämpfer." Das „Berl. Tageblatt" bemerkte zu dieser die Vorahnung eines Nekrologs enthaltenden Aeußerung Wenggs: „Man sieht, das antisemitische Geschäft nährt jetzt nicht mehr so gut seinen Mann wie ehedem." Es bleibt abzuwarten, ob der am 12. September in München von dem bayerischen Reformpartei-Kongreß gefaßte Beschluß, das „Deutsche Volksblatt" in eine Tageszeitung umzuwandeln und die Kosten aufdiePartei zu übernehmen, noch zur Ausführung gelangt. Das Eingehen des Wengg'schen Organs würde vielleicht für diese Neformpartei nachtheilig sein, aber keineswegs der Hetzerei wider die bayrischen Juden ein Ende machen, sondern höchstens dem Sigl'schen „Bayrischen Vaterland" nützen, das die antisemitische Schimpferei auf eigene Rechnung ohne eigentliche Parteifarbe besorgt und durch Angriffe auf das Centrum und wüthende Ausfälle gegen das „Preußenthum" würzt, welche die bajuvarischen Partikularisten höchlichst ergötzen. Der Siglffche burleske Antisemitismus ist jedenfalls gefährlicher als der langweilige Ludwig Wenggs, zumal in den Ton der ersteren selbst bayerische Klerikale wie Ratzinger, Schädler u. A. m. einstimmen, die man eigentlich im Lager des Centrums vermuthen müßte. Völlig im Tone Sigl's äußerte sich auf auf dem Katholikentage in Landshut der Domkapitular Dr. Schädler aus Ingolstadt in einem Vortrage über die „Charitas", der Staat habe für die Ueberschwemmten kein Geld übrig gehabt, „weil man gewisse Pläne flott einmarinieren müsse", der Bürgermeister von Forst habe wegen des Ausdrucks „christliche Nächstenliebe", der unpassend befunden worden, revozieren müssen, während man in Bayern die bekannte Auslassung Isidor Rosenthal's nicht unpassend gesunden zu haben scheine. Die jüdische Humanität erstrecke sich nur auf den Stammesgenossen, nicht aber auf den Goi. Die katholische Liebesthätigkeit verzichte auch auf die staatliche Armenpflege; denn da der Staat nicht christlich sei, könne es auch seine Liebesthätigkeit nicht sein. Schließlich trat der Redner' im Sinne der privaten Wohlthatigkeit zur Unterstützung verschiedener Charitas-Vereine auf. Daß mehrere der letzteren reichlich in dem Testamente des kürzlich in Nürnberg verstorbenen jüdischen Privatiers Lazarus Schwarz bedacht wurde, konnte Dr. Schädler damals freilich noch nicht wissen! Ueber die Auslassungen des Jngolstädter Domkapitulars äußerte der „Fränk.

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