Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 503 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 603 dürfte der vollständige Zerfall der antisemitischen Partei voraussichtlich auch nur die Folge haben, daß die Kreuzzeitungs-Partei den Versuch machen würde, mit antisemitischem Wind in den Segeln wieder vorwärts zu kommen. Dies beweist u. A. der Bericht der „Zeitung für Pommern", wonach vor einigen Tagen in einer konservativen Wählerversammlung in Greifenberg von konservativen Seiten davor gewarnt wurde, bei der bevorstehenden Reichstagswahl den Antisemiten in dem Kreise in irgend einer Weise die Wege zu ebnen, da ja die Konservativen „es auch als ihre Aufgabe ansähen, den Einfluß, des Judenthums möglichst zurückzudrängen". Wenn die antisemitische Partei in Berlin an Boden verloren hat, so liegt das weniger an den inneren Zerwürfnissen derselben als daran, daß der von ihr vorzugsweise bearbeitete Mittelstand neuerdings in Berlin wie vordem schon im Königreiche Sachsen seine angeblichen Beschützer täglich besser kennen lernt. In diesenKreisen hat das häusliche Gezänk, welches sich an die erwähnte Aeußerung des Redakteurs Johannes Wilberg in einer am 8. September stattgehabten Versammlung anschloß, weit weniger interessiert als die Beobachtung, daß selbst nebenher eine bürgerliche Existenz besitzende antisemitische Führer den Sold der Partei nicht verschmähen. Selbst die anwesenden Parteimitglieder verblüffte die Erklärung des Germanischen Volksbunds-Leiters Hans von Mosch, daß Professor Dr. Paul Förster von dem Volksbunde ein festes Monatsgehalt von 100 Mk. beziehe, weil er mit seinem Professorengehalt seine Familie nicht ernähren . könne." Die nachträgliche Versicherung Förster's, daß er kein festes Gehalt von dem „Volksbunde" beziehe, sondern nur für seine Vorträge und Artikel bezahlt werde, dürste bei den dem Mittelstand angehörenden Parteimitgliedern, die kein Professorengehalt beziehen, den Glauben an seinen „Idealismus" kaum wieder hergestellt haben. Auch in B a y e r n zeigen bereits weite bürgerliche Kreise Unlust an dem Treiben der angeblich den Mittelstand fördernden antisemitischen Preffe und entziehen derselben ihre Unterstützung. Das von dem bekannten Ludwig Wengg in München redigierte „Deutsche Volksblatt" veröffentlichte deshalb in seiner Nr. 34 folgende wehmüthige Klage: „Den Juden räumen wir nicht das Feld; wenn wir die Waffen niederlegen werden, so wird die Verantwortung unsere eigenen Volksgenossen, vor Allem die sogenannten Auchantisemiten treffen, die einen einzelnen Mann und fast ausschließlich auf seine eigenen Mittel angewiesen für sie kämpfen ließen, während sie sich feige im Hinterhalt hielten. Wenn