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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 501

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Umschau
Date
1897-10-01
Page
501 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 501 hat am 16. September in Hannover einen Vortrag gehalten und die antisemitische „Hannoversche Post" vom 19. d. M. bringt über denselben einen Bericht, der mit gewissen Einschränkungen einem Hymnus auf den Demagogen gleichkommt. Die „Hannov. Post", welche der Richtung des Herrn Liebermann v. Sonnenberg und des Pastors Jskraut angehört, spricht von dem großen Einfluß, den Ahlwardt zweifelsohne auf die breiten Volksmafsen zu gewinnen verstanden habe. Hierin liegt die Erklärung für das eigenthümliche Verhältniß der maßgebenden antisemitischen Kreise zu Ahlwardt. Weil man fürchtet, daß der niedere und vornehme Pöbel, der an den Späßen des Mannes sich ergötzt, der deutschsozialen Reformpartei abspenstig gemacht werden könnte, bekommt man es fertig, selbst angesichts der Vorkommnisse der letzten Jahre ihn zu schonen und scheut sich, das Tischtuch endgiltig zu zerschneiden!" — Ahlwardt, der in den letzten Wochen mit dem antisemitischen Gastwirth Bodeck eine Agitations- und Geschäftsreise unternommen und nicht nur in Hannover, sondern auch in Sommerfeld, Osnabrück, Braunschweig, Münster u. a. O. Vorträge gehalten hat, schmeichelt sich mit der Hoffnung, seinen alten Wahlkreis Friedeberg-Arnswalde zu behalten und auch in anderen Wahlkreisen ausgestellt zu werden. In der Wiener Wochenschrift „Zeit" schrieb vor wenigen Wochen der frühere Redakteur des Stöcker'schen „Volk" Oberwinder über die konservative Partei: „So wenig die Junker es heute eingestehen wollen, so bleibt es doch wahr, daß Ahlwardt der Mann nach ihrem Herzen, d. h. ihrem ganzen Denken und Fühlen sympathisch gewesen ist. Wie bequem ist die antisemitische Lehre: „Die soziale Frage ist eine Judenfrage!" Als bei den letzten Reichstagswahlen ein pommerscher Junker aus dem Neustettiner Kreise trotz der ihm ungünstigen Stimmung der Bevölkerung Abgeordneter werden wollte, ließ er zwar Anfangs seinen Gegenkandidaten Ahlwardt bekämpfen, bei einem späteren Wahlgange lud er ihn aber zum Frühstück ein und forderte seine Getreuen aus, für den radikalen Antisemiten zu stimmen. Jetzt ist der mit einem stürmischen Temperament begabte Agrarier in den ruhigen Hafen des Herrenhauses eingelaufen. Im Jahre 1870 beschloß das Kuratorium der „Kreuz ztg.", dem (Stöcker'schen) „Volk" bedingungsweise 20000 Mark, zahlbar in monatlichen Raten, zuzuwenden. Aber schon nach wenigen Monaten wurde eine Aenderung in der Haltung des Blattes unter Androhung der Entziehung der Unterstützung verlangt, und ich antwortete, der Verzicht auf die Subvention werde der Aenderung unserer Haltung vorgezogen..." Ter ehemalige Hofprediger Adolf Stöcker trägt sich mit

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