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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 500

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Umschau
Date
1897-10-01
Page
500 (sequence 3)
Language
German
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500 Im deutschen Reich. immer zahlreichere Förderer ihres Herzenswunsches finden werden, daß die ihnen vor 28Jahren gesetzlich verbriefte Gleichberechtigung endlich doch eine Wahrheit werde. DerCentral-Verein deutscherStaatSbürgerjüdischenGlaubensbefaßtsichnichtmitPoli 1 ik, aber er erachtet es bei den geschilderten Verhältnissen als ganz selbstverständlich, daß alle seine Mitglieder sich durch ihre Vaterlandsliebe und Glaubenstreue von selbst dazu gedrängt fühlen werden, ihrer Bürgerpflicht zu genügen, wenn sie zur Wahlurne berufen werden, daß sie besonders bei den Reichstagswahlen gegen antisemitische Kandidaten wirken und entsprechend wählen. Die Parteifarbe und das Fraktionswesen kümmern uns nicht — der Antisemitismus ist der Feind! Er ist nicht nur der Gegner des Judenthums, sondern des ganzen deutschen Volkes, dessen Sitten er zu verrohen droht, dessen Kulturfortschritt er hemmt und verkümmert! „Nicht rasten, sonst rosteL' s " war kürzlich ein den Wahlen gewidmeter Leitartikel der antisemitischen „Staatsbürger Zeitung" überschrieben, und in einem andern ähnlichen Artikel wurde „eine wieder schärfere Betonung der Judenfrage und eine entschiedenere Stellungnahme zu derselben als unerläßlich" bezeichnet. Da möchte man mir Schillert Worten sprechen: „Willst Du erwarten, bis er die böse Lust an Dir gebüßt? Der kluge Mann baut vor!" Dabei ist kein Unterschied zu machen zwischen den sogenannten radikalen und den gemäßigten Antisemiten, denn in ihrem Ziele find sie sämmtlich einig, so sehr sie sich auch in der Anwendung der Kampfesmittel unterscheiden und so rücksichtslos sie sich zuweilen um einen Beutefetzen unter einander bekämpfen. Das beweist die verschiedenartige Behandlung, welche A h l w a r d t seitens der deutschsozialen Resormpartei erfahren hat. Die „Neue Badische Landeszeitung schreibt: „Endlich schien es, als ob man aus Rücksichten des Anstandes sich genöthigt sähe, Ahlwardt ein für. alle Mal fallen zu lassen. Es war die Amerika-Reise mit all ihren begleitenden Umständen. Der Mann hat es gar zu toll getrieben. Und so stimmten die antisemitischen Wortführer — ausgenommen die Herren v. Mosch, Sedlatzek und Wengg — in das allgemeine Verdikt ein und im Reichstage erklärte Abg. V i e l h a b e n , sie wollten Ahlwardt nicht geschenkt haben. In der antisemitischen Presse gedachte man seiner nur in Ausdrücken der Verachtung und des Spottes. Trotzdem hat man das Sittlichkeits- und Schicklichkeitsgefühl der Antisemiten überschätzt, wie folgende Thatsache neuesten Datums beweist. Ahlwardt

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