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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 493

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Innere Kolonisation
Date
1897-10-01
Page
493 (sequence 9)
Language
German
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Innere Kolonisation. 493 Wir haben zwar nichts damit zu thun, soweit sie als agitatorische Mittel dienen und soweit sie politischen Hintergrund besitzen. Rückhaltlos mag anerkannt werden, daß mancherlei verabsäumt wurde, was zu Gunsten der Landwirthschaft in unserm Vaterlande hätte geschehen können. Allein, ebenso gewiß ist, daß so manche mit Nachdruck vorgebrachte Beschwerden weit über das Ziel hinausgehen, daß sie aus Machtbedürfniß und Parteipolitik ihre Hauptnahrung ziehen. Jedensalls stehen über dem Streit des Augenblicks die dauernden Aufgaben und Aussichten der deutschen Bodenkultur. Man beruft sich darauf, daß ein Zustrom vom Lande in die Städte eine Zunahme der industriellen, eine Abnahme der ackerbautreibenden Bevölkerung in. ihrem Verhältniß zu einander seit Jahrzehnten sich vollziehe, und will daraus, sowie aus der zeitweiligen Steigerung der Einfuhr ausländischen Koms darthun, daß es zweckmäßig sei, den Uebergang der Bevölkerung zu industriellen Bernsen noch mehr zu beschleunigen, ihre Verwendung in der Landwirthschaft noch mehr zu vermindern. Das sind vollständige Trugschlüsse. Es entspricht auch nicht dem nationalökonomischen Entwicklungsgang. Ein Reich, wie unser Vaterland, kann aus den wichtigsten geographischen, politischen, staatserhaltenden, wirthschaftlichen, kulturfördernden Gründen auf den Ertrag des eignen Bodens nicht verzichten. Das patriotische Bestreben muß darauf gerichtet sein, daß auch bei wachsender Bevölkerung die Befriedigung des Bedarfs an täglichem Brod auf heimischem Grund und Boden erzeugt werde. Damit wird eine der wichtigsten Grundlagen der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit des Vaterlandes aufrecht erhalten. Wie aber, wird man fragen, kann denn ein solches Ergebniß vorausgesetzt werden, wenn die Einfuhr vom Auslande steigt und die Industrie mehr als früher dem Lande die Arbeiter entzieht? Indessen hat man es hier mit Symptomen zu thun, über deren Ursachen wir uns noch erst klar werden müssen. Die zeitweilige Zunahme der ausländischen Korneinsuhr beweist nichts gegen die Möglichkeit der Aufbringung des Bedarfs im eigenen Lande; sie steigert dagegen die Sorge, ob die Vorbedingungen für die leichte und rasche Versorgung der inländischen Einwohnerschaft mit den nöthigen Ernährungsmitteln unter allen Umständen jeder Zeit vorhanden sein werden. Außerdem wäre

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