Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Innere Kolonisation
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 494 (sequence 10)
- Language
- German
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494 Im deutschen Reich. die nicht ausgiebige Benutzung der Bodenkräfte eine Verschwendung, die bisher noch kein Volk dauernd tragen konnte. Unsere besten Autoritäten schildern in überzeugender Weise die Lebens- und Ausdehnungsfähigkeit der deutschen Landwirthschaft. Die gegenwärtige agrarische Bewegung spricht nicht dagegen; von dorther wird vielmehr behauptet, daß die Gesetzgebung die Entfaltung der heimischen Kräfte nicht genügend fördere. Indessen — Klagen hört man von jedweder Art von Erwerb und Betheiligung. Ginge cs nur hiernach, so dürfte kein Mensch mehr irgend einen Beruf ergreifen. Insbesondere was den Ackerbau anbelangt, so ist schon erwähnt worden, daß auch aus nach Deutschland exportirenden Ländern Klagen ergehen, — nur werden sie in verschiedenen Erdtheilen und Gegenden verschiedenartig begründet. Das muß uns zu der Erwägung führen, daß es außer den Nebengründen, die nach anders gearteten Umständen mannigfach sich gestalten, allgemeine oder Hauptgründe geben muß, daß aber gerade diesen nicht die genügende Beachtung geschenkt wird. Der aufmerksame Beobachter wird sie in dem Zuge der Zeit aussinden, der sich nicht allein aus die ländlichen, sondern aus alle sozialen und wirthschaftlichen Verhältnisse erstreckt. Anwendung der letzten Fortschritte der Physik und Chemie, Konzentration des Kapitals, das sind die Hebel, ohne die auch der Ackerbau heut zu Tage Erfolge nicht erzielen kann. Man spricht vom Zuzug zur Industrie, von der Abwendung von der Bodenkultur, und scheint gar nicht zu bemerken, daß man damit nur bestätigt, daß die Landwirthschaft bei uns nur zu lange in der Anwendung der Maschinen rückständig geblieben war. Ich habe schon hervorgehoben, wie rasch man in den Vereinigten Staaten seit langem hiermit vorwärts eilte. Und wenn man mir Vorhalten würde, daß die Maschine vielen Menschen den Erwerb entziehe, so könnte ich auf allen Gebieten das Gegentheil Nachweisen. Jede Erlösung von menschlicher (unqualifizirter) Handarbeit, so habe ich seit Jahrzehnten erklärt, vermehrt den Erwerb und vergrößert den Verbrauch. Was allgemein gilt, trifft auch für unseren Ackerbau zu. Nur vollzieht sich die Wandlung nicht überall gleichmäßig und gleichzeitig, und mag sich darum bei nicht wenigen Einzelnen zunächst nachtheilig bemerkbar machen, weil sie eben die Bedingungen der Entwickelung nicht kennen oder verkennen.