Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Innere Kolonisation
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 492 (sequence 8)
- Language
- German
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492 Im deutschen Reich. erhoben, und zwar gerade auch aus solchen, über deren Wettbewerb auf dem deutschen Markte die heimischen Grundbesitzer änt meisten sich beschweren. Auch sind derartige Klagen nicht allerneuesten Datums, sie kehren seit einem längeren Zeitraum wieder, als man gemeiniglich annimmt. Sie würden auch nicht aufhören, wenn plötzlich die Zustände behoben würden, die, wie nicht selten angeführt wird, einen bedeutenden Druck auf die heimische Landwirthschast ausüben. Wollte man also bis zum völligen Verstummen derartiger Klagen warten, so träte der Zeitpunkt für innere Kolonisation wohl niemals ein. Um so geringere innere Berechtigung hat noch dazu der wirthschaftliche Einwand, da, wie schon an anderer Stelle erwähnt, eü sich nicht um sofortige Ansiedelung größerer Massen handelt. — Aber gerade derjenige, der aufrichtig meint, ein günstiger Augenblick für die Seßhaftmachung müßte gewählt werden, wird doch die Vorbereitungen für einen solchen Zeitpunkt vorsichtig treffen wollen. Nur um solche handelt es sich doch zunächst, sowohl was die Heranziehung und Heranbildung brauchbarer Personen, als die anzuweisenden Oertlichkeiten betrifft. Alan brauchte ferner nur darauf hinzuweisen, daß wir in der Kolonisationsfrage doch nicht für die Interessen der Reichen und Wohlhabenden vorzusorgen haben. Diese werden sich schon selbst zu helfen wiffen. Also handelt es sich um solche Elemente, deren wirthschaftliche Lage unter keinen Umständen verschlechtert würde. Daß wir deren unter den deutschen Juden mehr als zur Genüge besitzen, braucht nicht erst bestätigt zu werden. Mit diesen Erwägungen wäre im Grunde der Einwand von den augenblicklichen Schwierigkeiten in der Landwirthschast für uns erledigt. — Wenn es aber auch, so weit die hier in Betracht kommenden Verhältniffe zu erwägen sind, es vielleicht nicht nöthig erscheint, so verlohnt es sich doch, der Sache von allgemeinen Gesichtspunkten aus etwas gründlicher näher zu treten. Ueber die Zukunft des heimischen Ackerbaues, die schon deshalb, weil sie die Zukunft des deutschen Volkes bedeutet, unsere volle Aufmerksamkeit erheischt, müssen wir um so sorgfältiger uns zu unterrichten trachten, wenn wir diesem Berufszweige neue Mitarbeiterschaft aus unfern Kreisen zuführen wollen. Gehen wir also den in der Gegenwart erhobenen Klagen noch weiter nach.