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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 491

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Innere Kolonisation
Date
1897-10-01
Page
491 (sequence 7)
Language
German
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Innere Kolonisation. 491 jenigen, die mit großem Kapitalaufwand und starker Beschützung emporgehoben wurden, — die andern, deren Insassen das Nothwendigste zusammenschosien und das dann noch Fehlende mühsam ersammeln mußten. Diese hatten schwer zu ringen und zu sorgen. Und neben den Schwierigkeiten, die in der Beschaffung der Mittel) in der Aufrechthaltung des Unternehmens erwuchsen, warm es gerade die körperlich schwersten Leistungen der Bodenkultur, die sie bewußt unternahmen, energisch und zäh durchführten. Sie sagten sich, daß es nicht etwa nur die Erwerbung des Unterhalts, gleichviel auf welche, wenn nur auf eine zulässige Weise, gelte, sondern daß es immer die Aufgabe eines jeden Inden sei, den Namen der Stammesgenossenschast zu Ehren zu bringen. Sie wollten der Welt eine wahrhaft bäuerliche israelische Bevölkerung zeigen. Aus dem steten Umgänge und dem Kampfe mit der Natur, aus der persönlichen Erprobung, was sie uns bietet, verweigert oder vernichtet, erwächst das aufrechte Bewußtsein; mit Recht messen sie gerade diesem einen besonderen Werth bei. — Das ist wahrhaft große Gesinnung, gegen die auch wir nicht zurückstehen sollen. Wenn wir für jüdische Deutsche innere Kolonisation verlangen, so muß immer die Frage uns bewegen, wie schaffen wir uns eine bäuerliche Bevölkerung? — Der steife Nacken, besten schon Israels größter Führer erwähnt und der als Erbtheil uns verblieb, zeitigt unliebsame Erscheinungen. Aber wenn er in der b e st e n B e d e u t u n g des Worts uns eignet, dürfen wir uns glücklich schätzen. Denn der steife Nacken bedeutet — im besten Geiste — Individualismus, geistig errungenes Freiheitsbewußtsein, Würdigung der menschlichen Persönlichkeit im jüdischethischen Sinne. Das aufrechte Selbstbewußtsein ist also sittlich und geschichtlich ein vortheilhaft unterscheidendes Merkmal des jüdischen vor anderen Moralsystemen. Noch immer sind wir bei Weitem nicht am Ende der Bedenklichkeiten derjenigen, welche die Siedelungs-Bestrebungen zur Zeit als ein „Rühr mich nicht an!" betrachten. Einwendungen wirthschaftlicher Natur werden erhoben. Warum zu einer Zeit an Hinleitung zur Bodenkultur denken, wo dieLandwirthe über die Schwierigkeit ihrer Lage in heftigen Ausbrüchen sich ergehen? — Zwar könnte man antworten: Die Klagen der Landwirthe ertönen nicht aus Deutschland allein; sie werden aus den verschiedensten Ländern

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