Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Innere Kolonisation
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 490 (sequence 6)
- Language
- German
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490 3m deutschen Reich. Nun taucht jedoch ein neues Bedenken auf. Man solle, so wird gesagt, allenfalls der Gärtnerei sich zuweuden, die Thetlnähme am Ackerbau aber auf spätere Geschlechter vertagen. — Insofern Gärtnerei in ihren verschiedenen Zweigen, ebenso gut wie Obstkultur und Weinbau, zur Landwirthschaft gehört, und insofern Deutschland einer Vermehrung und der vernunftgemäßen Obstkultur dringend bedarf, sind wir gewiß einverstanden, daß unsere jüdische Bevölkerung an diesen Arbeitszweigen entsprechend sich betheilige. Wenn man aber verbreiten will, wir bedürften dieser Durchgangsetappen zu den schweren Leistungen des Ackerbaues, so weisen wir diesen leichthin gethanen Ausspruch zurück. Wenn schon jetzt mehrere Tausende im Hauptberuf als Landwirthe selbstständig, sowie als Beamte und Hülfsarbeiter beschäftigt sind, ohne daß auf die Heranziehung zu diesen Berufen überall Einfluß geübt wurde, so ist damit vollgültig bewiesen, daß es nur der aufmerksamen Umschau und Leitung bedarf, um eine größere Anzahl geeigneter Personen für den Ackerbau heranziehen zu können. Wie tief ist unter schmachvollem Druck unser Selbstbewußtsein gesunken, daß in würdeloser Selbstbekrittelung die entgegengesetzte Meinung sich erhalten konnte, ungeachtet der unbestreitbaren Tauglichkeit der Juden als Soldaten, von der sie in den Kriegen und in den Dienstleistungen des Friedens massenhaft Zeugniß ablegten. Waren sie den Anforderungen und Strapazen angesichts des Feindes, wie in der mehrjährigen Dienstausbildung gewachsen, wie mag man dann so ganz allgemein hin behaupten, daß ihre Kräfte für den Ackerbau nicht genügen! Im Hinblick auf die Statistik, und ebenso auf die Kriegs- und Militärgeschichte, sollte dieses Vorurtheil in unfern eigenen Kreisen bereits abgethan sein. Käme es auf die Bezeichnung der Klassen an, aus denen sich die jüdischen Ackerbauer rekrutiren lassen, so wären wir nicht in Verlegenheit, sie namhaft zu machen. Sofort jedoch erhebt sich ein neuer Einwand. Warum gerade die körperlich schwersten Leistungen der Landwirthschaft aufnehmen? so schallt es uns entgegen; cs sei dies doch kein unbedingtes Erforderniß. Hierauf wollen wir mit einem Hinweis antworten auf jene ruchlos getretenen russischen Juden, die mau nicht selten über die Achsel ansehen zu dürfen glaubt. Wir unterscheiden in Palästina zweierlei Arten von Kolonien, die-