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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 489

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Innere Kolonisation
Date
1897-10-01
Page
489 (sequence 5)
Language
German
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Innere Kolonisation. 489 -wilden Stämmen, mit Thieren und mit der Natur habe» sie all» mählich das Land für die Kultur errungen, dessen wirthschaftliche Bedeutung heute in erster Stelle steht. Aus ihnen ist eine machtvolle, hochragende, freie Bevölkemng hervorgegangen. Nicht die ersten Pioniere schufen dies Werk; indeß immer stärker, wurde der Nachwuchs. Den unausweichlichen Opfern, die gebracht werden mußten, entsprach der von der Intelligenz, dem Willen und der Kraft der Menschen errungene Sieg. Das sind ganz andere Leistungen, als was hier in Deutschland geschehen soll. Solchen Vorbildern gegenüber wollen einige Schwachmüthige uns einreden, israelitische Deutsche besäßen nicht so viel Widerstandskraft, um im eigenen Vaterland die Scholle bearbeiten zu können! Bereitet ihnen etwa das Klima Schwierigkeiten, die Unwirthlichkeit der Berge und Thäler und Wälder, schrecken sie die Hindernisse der reißenden Ströme und Schluchten, oder die Bekämpfung des Wildes u. dgl. m.? Das kommt Alles nicht in Betracht. Dennoch ruft man: Verhältnißmäßig Wenige von ihnen sind bisher als praktische Landwirthe thätig gewesen; die Anzusiedelnden kennen die Art der Arbeit und des Betriebes nicht. Wir wollen es einmal annehmen. Aber diese Thätigkeit läßt sich erlernen und die geistigen Vorbedingungen zur Erlernung und zweckmäßigen Verwerthung des Erlernten sind bei den Unsrigen in vollem Maße vorhanden. So ganz gering ist die etliche Tausende umfassende Zahl der jüdischen Landwirthe, Bauern und Hülfsarbeiter übrigens doch nicht. Und wenn nicht von diesen und mit ihrer Hülfe die Ueberleitung weiterer Kräfte zur Bodenbearbeitung allein stattfinden kann, so wird es unter der Führung nichtjüdischer Deutscher geschehen können. Von besonderer Wichtigkeit in dieser Hinsicht ist aber, daß wir in A h l e m bei Hannover eine israelitische Erziehungsanstalt besitzen, die junge Leute zur Gärtnerei, zur Obstkultur, zum Ackerbau ausbildet. In Anlehnung an dieses vorzügliche Institut, in der Zusammenwirkung mit ihm, das schon jetzt Vorarbeit für innere Kolonisation leistet, und in der Fühlung, die wir mit verschiedenen Kreisen des Groß-, des mittleren Grundbesitzes und der Kleinwirthschaft besitzen, besteht für uns die Gewähr, daß die systematisch geleitete Seßhaftmachung eines weiteren Theiles unserer Stammesgenoffen auf deutscher Erde erfolgreich sein muß.

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