Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Innere Kolonisation
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 486 (sequence 2)
- Language
- German
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486 Im deutschen Reich. Und selbst diese geben sich Wahnvorstellungen hin, tauschen nur Scheinerfolge für ihre frevelhafte Haltlosigkeit ein. Der zu beschleunigende Uebergang zum Landbau ist endlich für uns ein soziales Gebot, denn städtische und ländliche Jntereffen, städtische und ländliche Anschauungsweisen weichen naturgemäß von einander ab. Tritt noch die Unterscheidung nach der religiösen Auferziehung hinzu, so ist leicht erklärlich, daß die in überwiegender Anzahl in Städten wohnenden Juden der ländlichen Bevölkerung als fremde, nicht zur Nation gehörige, drohnenhafte Elemente dargestellt werden können. — Wenn man erwähnt, die judenhastende Bewegung mache in ihren widerlichsten Formen doch gerade in den Großstädten sich geltend, so ist darauf zu erwidern, daß die Einwohnerschaft dieser Städte zu einem hohen Bruchtheil vom Lande aus sich ergänzt. Namentlich nehmen die Städte auch solche Offiziere, Geistliche, Beamte, Lehrer in sich auf, die dorthin mit in der Jugend aus dem Lande gewonnenen Eindrücken und Vorurtheilen gelangen, oder die sich dem Dunstkreis der Ueberhebung und des Machtgelüstes nicht zu entziehen vermögen, der in dem sie umgebenden Milieu vorherrscht. Dem dreifachen — dem patriotischen, wirtschaftlichen, sozialen — Gebot, das uns auf Bodenkultur und die zugehörigen Gewerbe hinwcist, tritt nun der Kleinmuth entgegen. Da wurde gesagt: Die Juden waren so lange den Beschäftigungen der Landwirthschaft entzogen, daß sie nach Generationen erst darauf vorbereitet und dazu geeignet sein dürften. Demgegenüber wird auf die Lebenskraft des jüdischen Stammes verwiesen, gegen die Bedrückungen, Verfolgungen und Niedermetzelungen in Jahrtausenden nichts auszurichten vermochten. Hiermit ausgerüstet, sollte die Stärke des gegenwärtigen Geschlechts nicht ausreichen — man beginnt doch nicht gleich mit Masten-Siedelungen — zunächst eine kleine Zahl deutscher Juden der Landbebauung zuzuwenden? Man sehe doch nach Osteuropa! Dort ist einüberwiegenderTheilderisraelitischenBevölkerungalsZimmerleute, Maurer, als Lastträger, Fuhrleute und in anderen derartigen Berufen beschäftigt. JnDeutschland sindjüdischeHandwerkererst indiesemJahrhundert zugelassen. Unterscheiden diese sich etwa von anderen Handwerkern in Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit? Und dann — 6000 Menschen, dieinanderenLebensstellungenund Arbeitszweigen in anderen