Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Innere Kolonisation
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 485 (sequence 1)
- Language
- German
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485 Der um die regere Theilnahme der Juden an der Bodenkultur bemühte und verdiente Herr Gustav Tuch in Hamburg ersucht uns um Aufnahme folgender Mittheilungen: Innere Aolonisation. ^Wit kurzer Zusammenfassung der Beweggründe, die derdeutschenJudenschast es zur dringenden Ehrenpflicht machen, die Seßhaftmachung jüdischer Landwirthe auf vaterländischem Boden, nach Kräften herbeizuführen, wie ich sie früher bereits eingehender geschildert habe, muß ich wieder beginnen. So sehr Selbstgefühl und Selbstachtung von uns heischen, daß wir gegenüber der ebenso schmerzvoll von uns empfundenen, als unverdienten Zurücksetzung im politischen und gesellschaftlichen Leben strenge Zurückhaltung üben, so gebieterisch muß sich andererseits die Nothwendigkeit von der Erfüllung unaufschiebbarer Obliegenheiten uns aufdrängen. — Die verfassungsmäßig verbrieften Rechte legen selbst dann, wenn bekannte Strömungen in der Praxis sie zum großen Theil illusorisch machen, es uns auf, daß wir auf allen Arbeitsgebieten der Nation uns betheiligen. Besonders trifft dies dort zu, wo es die Hauptbeschäftigung unseres Volkes gilt, — die Arbeit, die sein Lebensnerv ist und immer bleiben wird. Das ist die Landwirthschaft. Neben der patriotischen Erwägung entsteht dieselbe Forderung aus wirthschaftlichen Gründen. Die Ernährungsmöglichkeit wird den Juden überall verkümmert und abgeschnitten. Wenn die Masse von ihnen nicht physisch und moralisch herabgedrückt werden soll, müssen anderweitige Erwerbszweige als die bisherigen für sie eröffnet werden. Hier hilft nicht einmal das Ueberläuferthum. Die Gesinnungslosigkeit, mit der durch die Taufe Vortheile erschlichen, oder wie die beschönigende, aber nicht minder verwerfliche Formel lautet, für die Kinder gesichert werden sollen, hat doch nur Bedeutung für die in Ausnahme-Stellungen Befindlichen.