Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Innere Kolonisation
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 487 (sequence 3)
- Language
- German
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Innere Kolonisation. 487 Ländern thätig waren, haben nach anderthalb Jahrzehnten in 25 palästinensischen Dörfern einen Beweis erbracht von Ausdauer, Kraft und Hingebung, der überall Bewunderung hervorrief. Ein Werk wurde mit Beseitigung unausgesetzter Schwierigkeiten von elementarer Gewalt hergerichtet, das siegreich dafür zeugt: Israel ist, wie in alten Zeiten, so auch heute, in bevorzugter Weise für Agrikultur- und Hortikultur-Arbeit jedweder Art geeignet. Nun sagen die Kleinmüthigen: Die starke Betheiligung am Handwerk u. w. dgl. m. ist freilich Thatsache, und auch in Deutschland stehen die jüdischen Gewerbtreibenden ihren Kollegen in nichts nach. Allein für die Landwirthschaft ist der Hinweis aus das, was russische, rumänische und eingeborene Israeliten in Palästina leisten, noch nicht maßgebend — denn wir sehen, daß in Argentinien die Sache nicht so rasch vorwärts geht. Erst in neuester Zeit lauten die Berichte von dort befriedigender; selbst die Versuche mit Einwanderern in den Vereinigten Staaten und Canada haben noch keine glänzenden Ergebnisse gezeitigt. Endlich beweisen die in Noth und Drangsal ausgewachsenen osteuropäischen Israeliten noch nichts für die unmittelbare Befähigung der Deutschen zur Landarbeit. — Diese nichtigen Einwände wollen wir doch der Reihe nach zerpflücken. Daß die ersten Unternehmungen in Argentinien nicht glückten, ist neben mancherlei sonstigen Ursachen vor Allem darauf zurückzuführen, daß man ohne gehörige Sichtung und zwar in nicht geringer Anzahl Leute zuließ, die der Klaffe der Abenteurer und schlauen Berufsbettler zuzuzählen waren und zu nichts weniger berufen erschienen, als eine neue Aera jüdischer Ackerbau-Kolonien einzuleiten. Von solchem Material war nichts anderes zu erwarten, als' eine gründliche Niederlage. Aber in welchem Stamm, in welcher Nasse, in welchem Volk, in welcher Klaffe giebt es solche Elemente nicht? Die Schuld tragen diejenigen, die so schlecht Auswahl zu treffen wußten. Sie machten den weiteren Fehler, an die Spitze der Administration Männer zu berufen, die sprachlich kaum mit den Einwanderern sich zu verständigen vermochten, sowie über deren Anschauungen und Gewohnheiten völlig int Unklaren sich befanden. Das sind so schwerwiegende Fehler, daß man über mangelhafte Kulturenpflege, und was sonst etwa verabsäumt wurde, gar