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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 481

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Der Baseler Zionisten-Kongress
Date
1897-10-01
Page
481 (sequence 6)
Language
German
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Der Baseler Zionisten-Rongreß. 481 eine Selbsttäuschung der Völker. Sie wurde gesetzlich vollzogen, bevor sie im Gefühl vollzogen war. Sie ist nur der Ausfluß des französischen Rationalismus, der Rousseau'schen Lehre von der Gleichheit aller Menschen. Sie floß also ans der Logik und nicht aus dem Gefühl. Nur in England liegen die Verhältnisse anders, hier ist vie Emanzipation zur Wahrheit geworden. Die Emanzipation wirkte auch auf die Juden in eigenthümlicher Weise. Als er noch das Ghetto hatte, war es für ihn kein Gefängniß, sondern eine Zufluchtsstätte, es war sein Vaterland, in dem alle seine Kräfte sich bis zu einem gewissen Grade entwickeln konnten. Der Ghettojude lebte in sittlicher Beziehung ein Vollleben; er war eine harmonische Natur, nicht fragmentarisch wie der jetzige Jude. Unter der Einwirkung der Emanzipation glaubte er, alle Brücken hinter sich abbrechen zu müssen. . Er wollte ganz und gar Mitglied der nichtjüdischen Gesellschaft werden, der er gesetzlich angehörte. Aber hier nun mußte er die herbsten Enttäuschungen erfahren. Ein Theil der Juden sucht diesem Dilemma durch die Taufe zu entgehen. Und nun geißelte Nordau dieses neue „Marannenthum", wie er es nannte, in der furchtbarsten Weise, wie er sich auch auf's Schärfste gegen diejenigen jüdischen Finanzkreise, die durch unsaubere Mittel in die Höhe gekommen sind, wandte. Der Eindruck dieser Rede war ein ungeheurer; minutenlanger Beifall unterbrach oftmals den Vortragenden, und als er geendet hatte, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Ergänzt wurden die Ausführungen Norvau's durch die einleitenden Worte Herzi's, der betonte, daß der Zionismus für die Juden einen Zustand des Rechtes und nicht der Duldung schaffen wolle, und durch den Bericht Dr. Birnbaum's, der hervorhob, daß der Jude eine eigene wirkliche Vollkultur nur in seiner eigenen Heimath schaffen könne. Der Hauptpunkt des zionistischen Programms wurde zunächst in folgende Form gebracht: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Ueber diesen Satz entspann sich eine ziemlich erregte Verhandlung. Ein kleiner radikaler Flügel wünschte die Fassung „völkerrechtlich gesichert", schließlich aber einigte man sich aus folgendes Programm: Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung 32

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