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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 480

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Der Baseler Zionisten-Kongress
Date
1897-10-01
Page
480 (sequence 5)
Language
German
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480 3m deutschen Reich. langt sind. In Westeuropa, besonders in Deutschland, ist die Bewegung bis jetzt nur auf kleine Kreise beschränkt geblieben; sie stieß hier aus großen Widerstand, wie schon der oben erwähnte Einspruch der deutschen Rabbiner beweist. Was ferner bemerkenswerth ist an der Bewegung, das ist das Zusammengehen streng orthodoxer und religiös-liberaler, ja sogar indifferenter Elemente. So verdient namentlich nach dieser Richtung hin die Zuschrift des Rabbiners Mohilewer aus Bialistok (Rußland) hervorgehoben zu werden. Dieser bedeutende Talmudgelehrte und strengfromme Jude bittet den Kongreß, alle religiösen Fragen bei Seite zu lassen und das Augenmerk lediglich auf die Erreichung des Hauptzweckes, des Zionismus, zu richten. Wenn wir uns zu den Verhandlungen wenden, über die ja schon kurz berichtet worden ist, so muß hier in erster Linie der Vortrag über die „allgemeine Lage der Juden" von Max Rordau berücksichtigt werden. Unterstützt von einer Reihe von Berichterstattern für die einzelnen Länder, behandelte der Vortragende in außerordentlich glänzender und scharfdurchdachter Weise seinen Gegenstand. Ueberall, so führte Rordau aus, wo Juden in größerer Zahl wohnen, herrscht Judennoth, eine Roth, die die Juden nicht als Menschen, sondem als Juden erleiden. Diese Roth nimmt zwei Formen an, eine sachliche und eine sittliche. Im Osten herrscht innerhalb des großen jüdischen Proletariats der qualvollste Kampf um's Dasein; hier haben wir es mit der sachlichen Judennoth zu thun. Im Westen müssen sich die Juden täglich herbe Kränkungen ihres ganzen Empsindungslebens gefallen lassen; hier haben wir es mit der sittlichen Judennoth zu thun. Nicht nur in Rußland ist, in Folge der Ausnahmegesetzgebung, ein massenhaftes jüdisches Proletariat vorhanden, auch in Galizien herrschen entsetzliche Zustände; ungefähr 70 pCt. der jüdischen Einwohner sind daselbst Berufsbettler. Aehnlich sind die Verhältnisse in Bulgarien, wo die jüdische Bevölkerung, wenn die Zustände noch länger währen, dem sichern moralischen und materiellen Untergang entgegeneilt. Man kann es kurz sagen, daß von den 9 Millionen Juden 7 Millionen vollständige Proletarier sind. Im westlichen Europa ist die materielle Lage der Juden ein bessere; hier aber herrscht die sittliche Judennoth. Die Gleichberechtigung steht thatsächlich nur auf dem Papier. Die Emanzipation war

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