Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 469 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 469 minister und Vizepräsidenten des Staatsministeriums, u. A. An verschiedenen Stellen, so auch in einer Kandidatenrede am 2. November 1867 in Breslau und in einem Berichte aus dem Jahre 1870 sprach sich Laster über das Entstehen und das Wesen der „Nationalliberalen Fraktion" aus, deren Zweck und Ziel sei, die Verwirklichung der deutschen Einheit mit der Sicherung der deutschen Volksrechte zu vermitteln, und was zu diesem Behuf« der Augenblick erheische, schnell und entschlossen mit gemeinsamen Kräften und auf demselben Wege zu thun. Der Anschluß an diese Fraktion sei kein Lossagen von der Fortschrittspartei, sondern ein Zurücklassen derer, welche nicht denselben Weg gehen wollten, wie die Nationalliberalen. So im Bewußtsein unwandelbarer Ueberzeugungstreue war Lasker an der Begründung der nationalliberalen Fraktion hervorragend betheiligt und wurde einer ihrer Führer, wohl wissend, daß noch viel zu kämpfen und zu streiten übrig sei, und fest entschlossen, diesen Kampf bei jedem dazu gebotenen Anlaß wieder auszunehmen, aber gleichzeitig auch fest entschlossen, nicht in's Ungewisse hineinzustreben, sondern der Regierung seine Unterstützung zu leihen, so oft sie den Willen zeigt, positive Interessen des Landes zu fördern und konkrete Resultate auf der Bahn des Fortschritts zu gewinnen. Wie nach dem Quinctilianischen Ausspruch dem Geschichtsschreiber, so steht auch dem Biographen nur die Befugniß zu, ad narrandum non probandum „zu berichten und darzustellen, nicht jedoch zu beurtheilen und zu beeinflussen". Wir berichten daher hier unparteiisch die Thatsache, daß Lasker, dessen Ansehen und Einfluß immer mehr wuchs und der in der Politik des Landes und des Reichs zu einem Eckstein wurde, den die Staatsregierung mit großer Vorsicht behandelte, von den bezeichneten Grundsätzen niemals um eines Haares Breite abwich, treu und gewissenhaft die Linie einhaltend, die er sich gezogen und daß er, wie wir später zeigen werden, gerade um deswillen sich die Ungunst an leitender Stelle zuzog. Von dem einmal eingenommenen Standpunkte aus erwies er sich in seinem parlamentarischen Handeln das eine Mal nachgiebig, um Geringeres preiszugeben, wenn er dadurch Größeres zu erreichen im Stande war, und war ein anderes Mal unbeugsam oder ging selbst angriffsweise vor, wenn es sich um Wahrung von Grundrechten