Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 470 (sequence 6)
- Language
- German
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470 Im deutschen Reich. handelte.^ Davon zeugte beispielsweise seine Stellungnahme anläßlich der Verhandlungen über den Staatshaushalts-Etat: für 1867 bei dem Titel „Oeffentliche Schuld", wo er den Antrag stellte, die Königliche Staatsregierung aufzufordem, den zwischen ihr und der Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft geschloffenen und durch die Gesetzsammlung veröffentlichen Vertrag (vom 10. August 1865) dem Landtage zur Genehmigung schleunigst vorzulegen. Die Regierung empfand die Opposition, welche sie wiederholt aus der nationalliberalen Partei erfuhr, sehr tief, da diese Partei gerade so eifrig und selbstverleugnend die Indemnität betrieben hatte, und die Ministerien des Innern und der Justiz waren am meisten die Zielscheibe der Angriffe, welche aus dieser Partei kamen. Aber während jene gegen diese die Verdächtigung erhoben, daß sie aus Huldigung für ihre Wähler in einzelnen Punkten ihre Ansichten ändere und oppositionell stimme, erhob sich Lasker, der Führer der nationalliberalen Partei, griff mit seinen Reden am 23. und 30. November wie in einen bereitgehaltenen Köcher und richtete, ein kundiger Schütze, einen Pfeil nach dem andere auf die Verwaltung der beiden Ministerien. Dem einen rief er im Namen der Partei zu, daß sie im Interesse der liberalen Sache über kleine Dinge allenfalls hinwegsehe, um die Leitung des Staats auf eine glatte Bahn zu bringen, aber Dinge, wie die erwähnten, seien zu arg. Von seiner eigenen Person erklärte er in demselben Zusammenhänge: „So wenig ich mich der Negierung gegenüber zu irgend etwas bewegen lasse, was nicht meiner Ueberzeugung gemäß ist, eben so wenig werde ich von meiner Wählerschaft mich jemals bestimmen lassen, Anderes zu thun, als was ich für angemeffen und im Interesse des Vaterlandes für geboten halte."!lieber den Justizminister äußerte er sich: „Ich glaube, es wäre in der That gestattet, den Wunsch auszusprechen, dafür zu sorgen, daß eine Kraft an die Stelle trete, welche der damit verbundenen Aufgabe gewachsen ist. Es giebt auch einen Patriotismus in der Selbsterkenntniß und Entsagung." Beide Reden, die mehr als irgend welche früheren neben Klarheit und Schärfe zugleich auch die Saiten des Gemüths zu rühren und die Hörer in Mitleidenschaft zu ziehen verstanden, — die, von sittlichem Gefühl und Empfinden geweiht, zugleich ein Plaidoper für die Fraktion waren, galten als ein Ereigniß im Parlament und im Lande und klangen