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Im deutschen Reich · 1897-09-01 · Heft 9 (September 1897) · p. 432

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 9 (September 1897)
Article
Umschau
Date
1897-09-01
Page
432 (sequence 7)
Language
German
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432 Im deutschen Reich. Bücher gesetzten Werke befindet fich auch eine von Rohling veröffentlichte Schrift: „Der Zukunftsstaat. Ein Trostbüchlein." (Civitas futnra. Libellus consolatoris). Die von dem Abg. Sigl und seinem agrarisch-antisemitischen Anhang betriebene Agitation richtet sich mindestens ebenso sehr gegen das Centrum wie gegen die Juden« Das „Bayr. Vaterland" schrieb am 27. August wörtlich: „Im Jntereffe des Bauernstandes ist die Centrumsbewegung zurückzudämmen und der politische Einfluß der Geistlichkeit, der nur für's Centrum thätig ist, zu brechen. Wenn darunter die geistliche Autorität leidet, so sind hieran nur die geistlichen Centrumsfanatiker selbst schuld." Die Bedeutung der Sigl'schen Agitation ist deshalb besonders bedenklich, weil sie von der jetzigen partikularistischen Strömung in Süddeutschland getragen wird, welche keineswegs aus die Abneigung gegen norddeutsche „jüdische Handlungsreisende" zurückzuführen ist. Daß die „Kreuzzeitung" diese Behauptung ausstellte, beweist nur, daß sie die Aufmerksamkeit von einigen ihr nahestehenden, den Süddeutschen weit antipathischeren Kreisen ablenken möchte. Daß der nationale Gedanke für die Antisemiten nur ein Aushängeschild darstellt und daß die nationalen Bestrebungen durch Rassen- und Religionshaß nur geschädigt werden, zeigt sich noch weit deutlicher als in Süddeutschland im Norden und Osten Deutschlands. Dort werden die Chancen nichtdeutscher Kandidaturen bei Reichstagswahlen an vielen Orten durch die Aufstellung antisemitischer Kandidaten erheblich gefördert. So liegen z. B. jetzt' die Dinge im Wahlkreise Flensburg-Apenrade, der bereits früher durch einen Dänen vertreten war, aber dies hinderte den Führer der schleswig-holsteinschen Antisemiten, Grafen von Reventlow- Wulfshagen, nicht, an der die deutschen Stimmen zersplitternden Kandidatur des antisemitischen Hamburger Porzellanmalers Raab festzuhalten und denjenigen Genoffen gegenüber, welche diese Kandidatur nicht kurzer Hand annehmen wollten, kurz und bündig zu erklären, daß jeder, der sich den Beschlüssen des antisemitischen Parteitages nicht füge, hinausfliege. Vielleicht hält er die Raab'sche Reichstagskandidatur deshalb für aussichtsvoll, weil Raab bei der Bürgerschafts-Ersatzwahl in Eimsbüttel am 9. Juli als erster Antisemit in die Hamburger Bürgerschaft gewählt worden ist. Dies war aber auch nur dadurch möglich, daß man in Hamburg die antisemitische Bewegung nicht genug beachtete, trotzdem die trüben Wellen derselben schon seit geraumer Zeit von Schleswig-Holstein herüberspülten. Wie sehr das Deutschthum darunter leidet, daß sich die Antiemiten als die berufensten Vertreter des nationalen Gedankens auf-

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