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Im deutschen Reich · 1897-09-01 · Heft 9 (September 1897) · p. 431

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 9 (September 1897)
Article
Umschau
Date
1897-09-01
Page
431 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 4SI ihm in seiner Beamtenlaufbahn kaum zu besserem Fortkommen gereichen werde, wenn er noch länger im Gefolge der Reformpartei unter solcher Führung mitlaufe. In Folge der an verschiedene Vereine ergangenen behördlichen Verfügung, die Mitgliederlisten einzureichen, hat sich in Beamtenkreisen, die der Reformpartei bisher nahe standen, eine gewisse Besorgniß kundgegeben, die gar wunderbare Blüthen treibt. So wird uns z. B. berichtet, daß mehrere Beamte, die bisher die „Deutsche Wacht" auf ihren Pulten in den Bureaus besonders augenfällig liegen hatten, neuerdings — man höre und staune — das „Vaterland" an deren Stelle ausgebreitet haben, um mit diesem die Verfehlung der Vergangenheit gewisiermaßen zuzudecken." Dazu bemerkt die „Preuß. Lehrerzeitung": „Es sind doch gesinnungstüchtige Leute, diese bisherigen Stützen der Stöckerei und M u ck e r e i, die auf ihre Pulte zum Frühstück diejenige Gesinnung niederlegen, die nach ihrer Meinung nach oben hin gerade in gutem Geruch steht!" Daß „Stöckerei und Muckerei" im schroffsten Gegensatz zur Humanität stehen, empfindet auch das katholische Blatt „Germania", da es unter der Ueberschrift „Ein Beispiel christlicher Toleranz" auf folgendes Inserat der Elbinger Zeitung verwies: „Fleischerstraße 16, bei Herrn Martini, 8in. Pfarrer, ist eine Wohnung x. anno für 180 Mark zum 1. Oktober zu vermiethen. Es find jedoch folgendeMiether ausgeschlossen: Juden — Katholiken — Baptiste n." Unter der Spitzmarke „Toleranz in Ulm" besprach daffelbe Blatt eine gegen die barmherzigen Schwestern gerichtete Notiz der „Württembergischen Bundesblätter" und bewies dadurch, daß es sich der Nothwendigkeit der Duldsamkeit gegen Andersgläubige keineswegs verschließt. So erklärt sich der katholische „Westfälische Merkur" entschieden gegen Boykottierungen Andersgläubiger, indem er schreibt: „Die Antisemiten haben bekanntlich die Parole ausgegeben: Kauft bei keinem Juden! Können und dürfen wir die Parole ausgeben: Kauft bei keinem Protestanten!? Ich glaube nicht. Tenn alsbald wirrde sich von der anderen Seite der Ruf erheben: Die Katholiken boykottieren uns Protestanten, also wollen wir ihre Geschäfte auch meiden!" Die verhängnißvollen Folgen der antisemitischen Wühlerei sind diesen Centrumskreisen so klar, daß den letzteren der bekannte, dem Centrum feindlich gesinnte Redakteur des „Bayrischen Vaterland", lh'. Sigl, sogar die Niederlage zuschreibt, welche die größte Autorität der Antisemiten, der Prager Kanonikus Professor Di\ August Rohling, der Verfasser des berüchtigten Werkes „Der Talmud-Jude", erlitten hat. In der Liste der neuerdings in Rom auf den Inder verbotener

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