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Im deutschen Reich · 1897-09-01 · Heft 9 (September 1897) · p. 430

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 9 (September 1897)
Article
Umschau
Date
1897-09-01
Page
430 (sequence 5)
Language
German
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430 Im deutschen Reich. Nach der „Schles. Ztg." hat aber gerade die Bevorzugung der Antisemiten durch den „Bund der Landwirthe" zu längeren Auseinandersetzungen geführt, welche die „Voss. Ztg." zu der nachstehenden Betrachtung veranlaßten: „Antisemiten, Agrarier und Christlich-Soziale sind Zersetzungsprodukte der konservativen Partei. Die Herren Liebermann von Sonnenberg, Diederich Hahn und Naumann fanden nichts, was ste nicht aus den eigenen früheren Schriften der konservativen Partei belegen können; aber sie fanden es mit unbequemer Rücksichtslosigkeit. Die konservative Partei ist eine unglückliche Mutter; eines ihrer Kinder nach dem andern fängt an ihr schwere Sorgen zu machen." An dem agrarischen Schooßkinde wird die konservative Mutter voraussichtlich noch eigenthümliche Freuden erleben. Zunächst hat sie mit der Thatsache zu rechnen, daß der von dem konservativen Abg. von Ploetz geleitete „Bund der Landwirthe" sogar in den erbersessenen märkischen Wahlkreisen mit den Antisemiten gegen sie Front macht und ihr dadurch u. A. den Verlust des Reichstagswahlkreises Westpriegnitz zufügen wird, der bisher durch den General von Podbielski vertreten wurde, dessen Ernennung zum Nachfolger des Staatssekretärs I)i'. von Stephan von einem Theil der antisemitischen Presse in taktlosester Weise besprochen worden ist. Die „Deutsch-sozialen Blätter" wagten zu behaupten, daß der neue Reichspostmeister zwar nicht wie der Unterstaatssekretär Fischer verwandtschaftlich, aber doch geschäftlich stets nahe Beziehungen zu Juden habe. In ähnlicher Weise äußerten sich das „Bayrische Vaterland" Sigls und Zimmermanns „Deutsche Wacht"; letzteres meinte außerdem, daß der frühere Leiter des Ofsiziervereins dem kaufmännischen und gewerblichen Mittelstand, welcher die Beamten - Konsumvereine verurtheile, nicht besonders willkommen sein werde. In dem von dem jetzigen Staatssekretär von Podbielski bisher vertretenen Wahlkreise haben die Antisemiten dem konservativen Kandidaten von Saldern den Rechtsanwalt Dr. Konrad Wohlfahrt in Rathenow entgegen gestellt, der sich gleichzeitig auf das Programm des Bundes der Landwirthe verpflichtete. In ähnlicher Weise erhalten die sächsischen Konservativen für ihre gelegentlich der letzten Dresdner Stadtverordnetenwahlen im November 1896 den Antisemiten geleistete Unterstützung die Quittung dadurch, daß die Reformer im Landtagswahlkreise Dresden I dem von konservativer Seite aufgestellten Bürgermeister Leupold den Rechtsanwalt Di'. Hanckel gegenüberstellen. Ueber die bisherigen „Stützen des Antisemitismus in Sachsen" giebt ein dortiges konservatives Blatt nachstehende seltsame Auskunft: „So mancher hat sich auch klar gemacht, daß es

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