Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 9 (September 1897)
- Article
- Die einzige Kuh
- Date
- 1897-09-01
- Page
- 423 (sequence 3)
- Language
- German
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Die einzige Kuh. 42S Frau und Tochter des Mannes bettlägerig und arbeitsunfähig. Damit war die Noch auf's Aeußerste gestiegen und der bald eintretende Tod der Frau und der Tochter konnte nur als eine Linderung angesehen werden. Als zu alledem nun schließlich auch noch die einzige Kuh verloren ging, sah ich mich genöthigt, zu jenem Aufrufe im „Stadtmissionar", den Sie gewiß nach dem Bekanntwerden mit den Verhältnissen nicht mißbilligen werden. Eine Beleidigung des Judenthums in seiner Gesammtheit hat mir, wie Sie ersehen, völlig fern gelegen, nicht einmal jener in Rede stehende Jude sollte beleidigt werden und zwar deshalb nicht, weil er nach persönlicher Rücksprache und nach Durchschauung der Sachlage von meiner Seite aus bereitwilligst einen Theil der Schuld gestrichen hat. Hochachtungsvoll (gez.) Curt Klawe. Darauf haben wir am 3. Juli d. I. erwidert: Ew. Ehrwürden gef. Schreiben vom 23. Juni haben wir erhalten und sprechen für die dadurch gegebene Aufklärung unseren Dank aus. Wir können aber nicht umhin, der am Schlüsse des Briefes ausgesprochenen Annahme entgegenzutreten, daß wir nunmehr den in Frage stehenden Aufruf im „Stadtmissionar" billigen würden. Vielmehr müssen wir unser tiefstes Bedauern über die gewählte Form des Aufrufs aussprechen. Ew. Ehrwürden erklären selbst, daß Sie kein Antisemit seien, da der Antisemitismus in Ihre christliche Lebensanschauung nicht hineinpasse, daß auch der „Stadtmissionar" als ein christliches Erbauungsblatt hoch über diesem erbärmlichen Parteigetriebe unserer Zeit stehe. Welchen anderen Erfolg aber kann jener Aufruf haben, als Haß und Erbitterung gegen die Juden hervorzurufen, wenn Sie die Christen zur Hilfe aufrufen, weil ein Glaubensbrüder seine einzige Kuh ohne Schuld an „Juden" verliere! Und mit welchem Rechte kam nun Ew. Ehrwürden zu dieser herabsetzenden Erwähnung, wo es sich um ein Werk reiner Menschenliebe handelt?