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Im deutschen Reich · 1897-09-01 · Heft 9 (September 1897) · p. 422

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 9 (September 1897)
Article
Die einzige Kuh
Date
1897-09-01
Page
422 (sequence 2)
Language
German
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422 3m deutschen Reich. daß solche „herzlichen Bitten" zuweilen recht seltsam begründet find. Einzelne antisemitische Blätter entnahmen vor einigen Wochen dem „Stadtmissionar" vom 30. Mai folgende auffallende Anzeige: „Noth! Glaubensbruder, schwer leidend, verliert ohne Schuld die einzige Kuh an Juden. Christen, helft die unglückliche Familie vom Untergange retten. Gaben an Pfarrer Klawe, Altstadt bei Hachenburg, Westerwald." Daraufhin haben wir am 15. Juni d. I. an Herrn Pastor Klawe unter Hinweis auf die aufreizende Fassung dieser Notiz die Bitte um Darlegung der näheren Umstände gerichtet, um zu erforschen, ob wirklich sein Glaubenübruder in Noth durch Juden gerathen sei. Die Antwort lautete: Altstadt bei Hachenburg, 23. Juni 1897. Auf Ihre Anfrage vom 22. Juni cr. theile ich Ihnen mit, daß ich allerdings der Verfasser jener Bitte im „Stadtmissionar" bin, daß Sie aber irren, wenn Sie der Notiz irgend welche antisemitische Tendenz unterschieben. Eine solche ist schon durch seinen Standort in einem rein christlichen Erbauungsblatte, das hoch über dem erbärmlichen Parteigetriebe unserer Zeit steht, schlechterdings ausgeschlossen und widerspricht auch meiner christlichen Lebensanschauung, in deren Rahmen der Antisemitismus unserer Tage nicht hineinpaßt. Ich finde es verwerflich und bedauere es von Herzen, daß mein Inserat, das lediglich den Zweck hatte, einem armen Mann zu helfen, als Agitationsmittel auf den politischen Markt gezerrt worden ist. Es ist mir um so bedauerlicher, als ich sogar von jüdischer Seite in dieser Angelegenheit unterstützt worden bin. Auf Ihre Frage, ob der betreffende Mann ohne eigene Schuld in solche Nothlage gerathen ist, erwidere ich, daß dies in der Thal der Fall ist. Derselbe war früher einer der fleißigsten, bravsten Fabrikarbeiter der hiesigen Gemeinde. Vor zwei Jahren wurde er dann in Folge eines Schlagansalles gelähmt und völlig arbeitsunfähig. Sein Einkommen, das zum Unterhalte einer fünfköpfigen- Familie ausreichen sollte, bestand seitdem aus einer Jnvaliditätsrente von monatlich 10 Mark und dem Ertrage seiner Kuh. Unglücklicherweise wurden nun auch noch die schwindsüchtige

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