Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 9 (September 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-09-01
- Page
- 417 (sequence 8)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntniffes. 41? eine Nachwahl wurde vorbereitet. Lasker durfte mit großer Wahrscheinlichkeit erwarten, daß seine Bewerbung um das Mandat von Erfolg sein würde; allein er konnte sich nicht entschließen, sich um eine Kandidatur zu bemühen und gab nur dem dringenden Verlangen seiner Freunde nach, sich zur Annahme eines Mandats bereit zu erklären und einer an ihn ergangenen Einladung folgend vor der Wahlversammlung seine politischen Ansichten darzulegen. In seiner Kandidatenrede am 4. Januar 1865 erklärte er, daß das Wahlgesetz mit seiner Dreiklaffentheilung das Prinzip der Gleichheit verletze und zugleich jeden erkennbaren Grundsatz einer billigen Erwägung entbehre; allein wie die Verhältniffe einmal lägen, so streite man gegenwärtig nur um das tägliche Brod der Freiheit, und dazu gehöre vor Allem das Budgetrecht; ein neues Wahlgesetz jedoch, wie es der Vorredner verlange, sei vorläufig ein Luxusartikel. Die fernere Darlegung seiner politischen Ansichten knüpfte er an die Ereigniffe des Tages an und schloß unter dem größten Beifall der Versammlung, die ihm, nachdem er geendet, durch Erhebung von den Sitzen ihren Dank zu erkennen gab. In der Versammlung zur Vorwahl ward die Wahl Laskers besonders empfohlen, weil er geeignet sei, „in den Kommissionssitzungen der Abgeordneten bei Behandlung von Vorfragen die Dinge klar und scharf zu erörtern", und am Wahltage des 14. März ward Lasker zum Abgeordneten des vierten Berliner Wahlkreises gewählt. In derselben Stunde, in welcher sein Name aus der Wahlurne hervorging und ihm die Stadt Berlin die höchste Ehre übertrug, die einem Bürger zu Theil werden kann, stand er vor den Schranken des höchsten Gerichtshofes des Landes und ward wegen seines in den „Jahrbüchern" enthaltenen Artikels über „Finanzrecht" mit der Strafe des „Verweises" belegt. Als er nach Hause zurückkehrte, erwartete ihn dort ein Freund mit der Nachricht von seiner Wahl zum Vertreter der Residenz. Lasker nahm im Abgeordnetenhause in den Reihen der Fortschrittspartei seinen Platz und betrat am 27. März 1865 zum ersten Mal die Tribüne des Abgeordnetenhauses, die seitdem die Stätte seines Ruhmes wurde. Die Berathungen des allgemeinen Berichts über den Entwurf zum Staatshaushaltsetat pro 1865 waren bei ihrem Schlüsse angelangt und hatten den 28