Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 9 (September 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-09-01
- Page
- 416 (sequence 7)
- Language
- German
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416 Im deutschen Reich. ciplinarhof des Kammergerichts wiederum auf Freisprechung, weil der inkriminirte Artikel „in mathematisch genauer Wissenschaftlichkeit gehalten sei und nichts Strafbares involviere." Das Ober- Tribunal jedoch verurtheilte den Verfasser zur Strafe des „Verweises" und motivierte diese dadurch, daß allerdings objektive Wissenschaftlichkeit in der Abhandlung herrsche, allein der Verfasser solle sich nicht mit derartigen Stoffen befassen, die verfänglich seien. Lasker war durch diese Vorgänge, ohne je ernst daran gedacht zu haben, eine öffentliche Persönlichkeit geworden, an welcher das Publikum Interesse gewann. Die Stimmung der Zeit wurde vollständig durch den Konflikt zwischen der Staatsregierung und der Landesvertreung beherrscht, und besonders in der Berliner Einwohnerschaft fand sich ein kräftiger Resonanzboden für alle Anklänge dieses Streits. Man lenkte hier den Blick auf Lasker und seine Freunde suchten ihn der eigentlichen politischen Bewegung näher zu führen; allein er blieb zögernd und zurückhaltend, weil es nie seine Sache war, die Oeffentlichkeit zu suchen und um öffentlichen Beifall sich zu bewerben. Andererseits mag er die stark bewegte politische Strömung, die gerade damals am höchsten ging, nicht für geeignet gehalten haben für ein mhiges, gemessenes Wollen, für ein mehr bedächtiges, als leidenschaftliches Handeln, von dem er sich nicht lossagen konnte. Genug, Lasker blieb der eigentlichen politischen Aktion fern und trat mit dem Publikum nur durch seine Vorträge in den Vereins- und Bezirks- Versammlungen in Berührung, die über „Erziehung", „häusliche Lektüre" und andere wissenschaftliche Themata handelten und in der Folge erst auch politische Fragen besprachen. Durch diesen häufigen und unmittelbaren Verkehr mit dem Berliner Publikum wurde Lasker immer enger mit den Interessen desselben vertraut, immer höher stieg er in dessen Achtung, immer mehr wuchs sein Ansehen, sein Name wurde die Parole in allen Versammlungen, und seine Reden bezauberten durch die Gediegenheit des Inhalts, durch die Schönheit der Form und durch die Gewalt des Vortrags. Der große Berliner Handwerker-Verein ernannte ihn zum Vorsitzenden seiner Unterrichts-Kommission, die Baugewerkschule, deren Mitbegründer er war, erwählte ihn zu ihrem Kurator. Um diese Zeit legte Professor Temme sein Mandat als Mitglied des Abgeordnetenhauses für den vierten Berliner Wahlbezirk nieder, und-