Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 9 (September 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-09-01
- Page
- 412 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316633-2320945--02873-2321070- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
412 3m deutschen Reich. Jene Biographie umfaßt den Zeitraum der ersten drei Jahre in Lasker's parlamentarischer Thätigkeit und enthält im Schlußworte den Mahnruf: „Der Jude zumal sollte in dem politischen Zuge seines Vaterlandes seinen Patriotismus erkrästigen, seinen religiösen Glauben festigen." Seitdem ist ein Menschenalter hingegangen, Lasters beredten Mund hat längst die Hand des Todes geschlossen, und mir ist der ehrende Auftrag geworden, die alte Biographie summarisch von Neuem aufzunehmen und bis an das Lebensende des Abgeordneten zu führen. Die Zeiten haben sich geändert, an Stelle der lichten Ausblicke, welche die politischen Verhältnisse von damals den Juden boten, sind zur Zeit manche dunklen Punkte getreten. Auch die Menschen haben sich geändert. . Die Treue am Glauben der Väter besteht oft nicht mehr die Probe. Möge denn das Andenken an Laster, dem dieser Artikel gewidmet ist, heilsam auf das gegenwärtige und spätere Geschlecht wirken. Eduard Laster wurde anr 14. Oktober 1829 zu Jarotschin in der Provinz Posen geboren, wo sein Vater einen ausgedehnten Handel mit Eisenwaaren, Glas und Potasche betrieb und siebzig bis achtzig Arbeiter beschäftigte. Wie es seit den ältesten Zeiten bis vor Kurzem charakteristisch im Judeuthum war, daß neben dem Gewerbe auch die jüdische Gelehrsamkeit gepflegt wurde, so wendete auch der Vater Lasker's jede Stunde, die er seinem Geschäfte abringen konnte, der jüdischen Wissenschaft und Gelehrsamkeit zu, und mit besonderer Zuneigung las er die philosophischen Werke des Saadjah, Bechai, Jehuda Halevi, Maimonides, ferner die Neueren, wie Mendelssohn, die zahlreich in seiner Bibliothek vertreten waren. Von dem Vater war diese Verehrung für die Wissenschaft schon frühzeitig auf den Knaben übergegangen, und wenn überhaupt in dem Leben des Letzteren ein Moment entscheidend wurde für die ganze spätere Richtung desselben, so war es ein Spaziergang mit dem Vater, während dessen die zarte Seele des Kindes so viele edle Anregungen, so tiefe Einwirkungen durch die Belehrungen des Vaters empfing, daß seitdem alle seine Gedanken nur auf den einen Punkt gerichtet waren, in der Wissenschaft und durch Leistungen auf dem Gebiet des Geistes sich auszuzeichnen. Von ungewöhnlichen Fähigkeiten unterstützt, hatte es