Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 9 (September 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-09-01
- Page
- 413 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316633-2320945--02874-2321071- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 413 der Knabe bereits im vierten Lebensjahre zum fertigen Lesen im Jüdischen gebracht/ im achten Jahre hatte er sich die Kenntniß des Pentateuchs im Urtext vollständig angeeignet, und eine freie Uebersetzung der „Theilung der @rbe" von Schiller bewies damals bereits seine Gewandtheit im hebräischen Stil, in welchem er es später in seiner Korrespondenz mit dem Vater bis zu deffen Tode zu einer gewissen Vollendung brachte. Je weniger in dem Orte selbst Gelegenheit zum außerjüdischen Unterrichte vorhanden war, desto eifriger wurde die jüdische Schulbildung erstrebt, und als der Knabe das dreizehnte Jahr erreicht hatte, war ihm die gesammte heilige Schrift in der Ursprache — bis auf das Buch Daniel, dem er keinen Geschmack ab gewinnen konnte — geläufig, und der Talmud hatte durch jahrelange Pflege seinem Geiste eine Schärfe und Klarheit verliehen, die weit über sein Alter hinausreichte. Um diese Zeit starb die Mutter des jungen Lasker, die mit zartem Sinne das Gemüth des Knaben groß gezogen und zu edlen Empfindungen befähigt hatte. Die nun veränderten Verhältniffe im Vaterhause einerseits und der strebende Sinn des Knaben andererseits waren Veranlassung, daß der letztere im Alter von dreizehn Jahren nach Breslau gebracht wurde, wo er zu vierzehn Jahren nach geschehener Vorbereitung durch Privatunterricht in die Quarta des Gymnasiums eintrat. Seinem schnellen Geiste jedoch war der Schritt zu langsam, welchen ihm die Methode der Lehranstalt vorzeichnete, er verließ daher ein Jahr später das Gymnasium und bestand zu Ostern 1847 im Alter von siebzehn und einhalb Jahren als Extraneus die Abiturientenprüfung. In diesen arbeitsvollen Lebensjahren, die ihn rasch aus einem kaum mit den ersten Elementen der deutschen Schulbildung bekannten Knaben zu einem für die Universitätsstudien berufenen Jüngling Heranreisen ließen, war ihm wenig Zeit übrig geblieben, seine frühere wissenschastliche Beschäftigung sortzusetzen. Allein das Jntereffe daran war keineswegs geschwunden, und vollends machte es sich geltend, als im Juli 1846 die dritte Rabbinerversammlung in Breslau stattfand und die Frage des Judenthums einer wiffenschaftlichen Erörterung unterzogen wurde. Eine derartige Behandlung der jüdischen Religionswahrheiten war seinem bereits mit der klassischen Bildung vertrauten Geiste conform, sein jüdisches.Wissen schien ihm von Neuem in Fluß zu kommen uub ihm den innigen Zu-