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Im deutschen Reich · 1897-09-01 · Heft 9 (September 1897) · p. 411

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 9 (September 1897)
Article
Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
Date
1897-09-01
Page
411 (sequence 2)
Language
German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 41! und Befestigung des nationalen Baues mehr gethan. Niemand der Regierung und dem leitenden Staatsmanns im Besondern wirksamer zur Seite gestanden als Anhänger, Vertheiviger und Förderer der großen liberalen Grundsätze, auf welche der nationale Staat aufgebaut wurde, als Eduard LaSker. Wie seine Reden zu den besten gehören, die je in den Parlamenten der Völker gehalten wurden, so hat er zugleich auch durch zahlreiche Anträge und Amendements, durch unermüdliche Thätigkeit in den Kommissionen und nicht am wenigsten durch seinen in sittlicher Strenge gehaltenen Charakter es verstanden, eine hervorragende Stelle im Parlament sich zu erringen, die Parteiverhältniffe in entscheidender Weise zu bestimmen und einen maßgebenden Einfluß auf die Regierung, auf den Gang und Inhalt der Gesetzgebung auszuüben. Was eine ganze Seite menschlichen Glücks ausmacht, das Ehe- und Familienleben, fehlte Lasker; sein ganzes Glück hastete an seinem reichen und anerkannten Wirken in der Oesientlichkeit, und diesem gab er sich hin mit nie erlahmender Energie und eisernem Fleiße. So wurde er bald der Liebling des deutschen Volkes und sein Name geläufig in Jedermanns Mund. Aber nicht zuletzt waren die Bekenner jüdischen Glaubens stolz auf Lasker. Er war der Ihren Einer, und wie seine gleichzeitigen Kollegen in der Volksvertretung, Kosch, Wolffson, Bamberger, Ludwig Löwe, Goldschmidt, (1875—1877), wie vor ihm Gabriel Messer, Moritz Veit, Johann Jacoby, Leonor Reichenheim, so verleugnete auch er seinen Glauben nicht, sondern gewann ihm Achtung und Ehre in den Augen der Welt durch Bethätigung der höchsten patriotischen Tugenden, durch treue Mitarbeit an der Größe und Wohlfahrt des Vaterlandes. Bereits vor mehr als drei Jahrzehnten (1867) habe ich für die „Galerie der Abgeordneten jüdischen Glaubens", welche Dr. Ludwig Philippson in der von ihm herausgegebenen „Allgemeinen Zeitung des Judenthum" eröffnet!, eine Lebensskizze Leonor Reichenheim's geliefert und bald darauf im Jahre 1868 auf Wunsch desselben Gelehrten für das von ihm und seinen Kollegen herausgegedene „Jahrbuch für die Geschichte der Juden und das Judenthum", Vierter Band (1868) eine Biographie Lasker's geschrieben, die, soweit darin dessen Nationale enthalten ist, von mir nach seinen eigenen persönlichen Mittheilungen verfaßt wurde.

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