Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-07-01
- Page
- 376 (sequence 7)
- Language
- German
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376 3m deutschen Reich. darauf sitzen wir fest, ohne daß recht ersichtlich wird, was wir wollen und was wir nicht wollen. Von dem überaus mangelhaften Besuche des Reichstags auf Seiten unserer Fraktion, von unseren ganz unzureichenden Preßverhältnissen will ich nicht weiter reden. Die Folge jenes Besuches und des Mangels an aller Beredung ist, daß die Stellung zu den wichtigsten Gegenständen dem Belieben des Einzelnen überlassen bleibt. Und demgemäß wird unsere Bewegung auch im Lande keine rechten Fortschritte machen. Stillstand und Mangel an Leben überall! Oder zu vielLeben, das heißt oberflächlicher Radau mit verbrauchten Schlagworten!" Daß auch noch andere antisemitische Abgeordnete solchen „oberflächlichen Radau mit verbrauchten Schlagworten" nicht verschmähen und mit demselben vorübergehend Erfolge erzielen, ist dem durch Ahlwardt warm empfohlenen Professor Paul Förster sicher bekannt. Im bayerischen Landtage leistet z. B. auf diesem Gebiete der Abgeordnete R a tz i n g e r Erkleckliches, welcher in dem Gerstenlieferungs- Prozeß durch den Redakteur der „Neuen bayerischen Landeszeitung", Memminger in Würzburg, so bloß gestellt worden ist, daß er jetzt eine Klage des auf seine Angaben hin von Memminger beleidigten Abg. Burger in Zeil und des Getreidehändlers Seligstein in Schweinfurt gewärtigt. Bemerkenswerth ist die Schärfe, mit welcher die klerikale „Germania" sich zustimmend über den Entschluß der „Deutschen Reichszeitung" äußert, künftig die Berichte aus Bayern nicht mehr von ihrem langjährigen Korrespondenten Ratzinger zu nehmen, weil sich dieser für die Zwieseler Kandidatur des Preußenfressers Sigl engagirt habe. — Daß zu den Schlagworten der Antisemiten in manchen Gegenden auch die Devise „Gegen Junker und Juden" gehört, erhellt aus der Thatsache, daß der Führer des antisemitischen Bauernbundes in Franken, der vorher erwähnte Anton Memminger in Würzburg, mit Wärme für den in der „Deutschen Volksmacht" veröffentlichten Aufruf eintritt, in welchem die antisemitischen Abgeordneten Gräfe, Hirsche! und Köhler Beiträge für ein Denkmal „Florian Geyers, des Siegfrieds des Bauernkrieges" erbitten, der bekanntlich der Schrecken der Fürsten und Junker seiner Zeit war. Mit richtigem Taktgefühl hat der „Deutsche Schulverein" in Wien den gegenwärtigen Zeitpunkt, der allen Anlaß bietet, unter den freiheitlich gesinnten Deutschen Oesterreichs die Parteiunterschiede zu verwischen und auch die von den Antisemiten fortwährend aufgebauschte Judenfrage endlich unberührt zu lassen, als geeignet