Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-07-01
- Page
- 377 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 377 erachtet, in einem Aufruf an das deutsche Volk zu gemeinsamer Arbeit imDienstedernationalenSache aufzufordern. Der Gedanke, den antisemitischen Deutsch-Nationalen durch Konzessionen den Wiedereintritt in den Schulverein zu ermöglichen, liegt den Unterzeichnern des Aufrufs sicher fern. Der Deutsch-liberale Wiener Rechtsanwalt Dr. Moritz Weitlof, der seit 17 Jahren an der Spitze des Vereins steht, hat in der Hauptversammlung des Jahres 1885 in Salzburg die Forderung der Deutsch-Nationalen, judenreine Ortsgruppen bilden zu dürfen, mit der Erklärung beantwortet, wer mit den Verhältnissen im Schulvereine nicht zufrieden sei, möge gehen! Sie verließen darauf den Verband und gründeten ihren eigenen judenreinen „Schulverein für Deutsche", der nach wenigen Jahren als staatsgefährlich aufgelöst wurde. Jetzt sind sie zum Wiedereintritt in den Schulverein geneigt, erklären aber Folgendes: Sie sind bereit, die gänzliche Fernhaltung der Juden aus dem Verein, die Auflassung solcher Vereinsschulen, die zum größten oder großen Theile von jüdischen Kindern besucht werden k., vorläufig zurückzustellen. Da sie aber auf das Verlangen, nicht mit deutschen Juden im engeren Verkehr stehen zu wollen, nicht verzichten und neben den „liberalen" Ortsgruppen, denen Juden angehören, auch judenreine Ortsgruppen wollen, so wird der Schulverein auf diese Einigung kaum eingehen. Wer sie nicht kennte, die Elemente der Schönerer-Partei, den müßte nachstehende Aeußerung der „Nationalen Zeitung" bei dem ehrenvollen Empfang des Abg. vr. Schüler in Saaz belehren: „Wir gingen eben von der Ueberzeugung aus, daß es dermalen, wo sich Regierung und Slaven gegen uns Deutsche vereinigten, nothwendig sei, das uns Einigende hervorzusuchen und nicht das uns Trennende. Die Noth unseres Volks gebietet uns, geschlossen vorzugehen; wenn aber unsere „Mitbürger mosaischer Konfession" der Ansicht sind, daß sich die Einigkeit der Deutschen auch auf sie bezieht, so sagen wir ihnen offen das, was wir stets hervorhoben: Jude bleibt Jude! Wir Deutsch-Nationale lehnen es ab, im schweren nationalen Kampfe einen dritten in unsere Reihen aufzunehmen, der nur geschäftshalber deutsch ist." Die letztere völlig ungegründete Verdächtigung zeigt, daß an diesen Politikern Hopfen und Malz verloren ist. Sie begeistern sich höchstens für den „grundehrlichen" antisemitischen Reichsrathsabgeordneten Mittermayer, der ohne Entschädigung sein Mandat nicht niederlegen will, das er nach seiner charakteristischen Aussage nur angenommen hat, „weil er gerade stellenlos war." So gehört er noch immer dem österreichischen Reichsrathe an, trotzdem der von ihm wegen Beleidigung verklagte Gegenkandidat Schuhmeyer, welcher ihn des Diebstahls,