Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-07-01
- Page
- 372 (sequence 3)
- Language
- German
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372 3m deutschen Reich. treiben in die Hörsäle der Wissenschaft verpflanzt, dadurch die Harmlosigkeit und den Frohsinn des akademischen Lebens getrübt und den Erisapfel des Rassenhasses in die studentischen Verbindungen geschleudert haben! Mit Recht schrieben die „Münchener Neuesten Nachrichten" am 15. Juni: „Deutsche Studentenverbindungen haben etwas Anderes zu thun, als sich um politische und religiöse Dinge zu streiten, deren nicht einmal gereifte Männer Herr zu werden im Stande sind. Die sogenannte „Judensrage" ist unseres Erachtens eine Frage, an deren Lösung am allerwenigsten die Jugend heranzutreten hat; jedenfalls darf sie unter keinen Umständen in das Programm einer Studentenverbindung ausgenommen werden". Die Vorgänge in den deutschen Burschenschaften haben aber leider gezeigt, daß trotz derartiger Auslassungen, trotz der Erklärung von einer Bonner und drei Breslauer Burschenschaften und trotz des Protestes von 790 Alten Herren, an der famosen „Resolution" festgehalten wird, welche dem freiheitlichen Geiste der früheren Burschenschaft so wenig entspricht. Antisemitische Blätter bejubeln dies mit den Worten: „Für die Burschenschaft sind nunmehr aber die Akten über die unerquickliche Frage endgiltig beschlossen. Der mit erdrückender Mehrheit zu Eisenach gefaßte Beschluß, allen nationalen Schutz- und Trutzverbänden beizutreten, beweist, daß in der heutigen Burschenschaft ein ähnlicher Geist weht wie in der alten vor 80 Jahren". Dem Geiste, den die Antisemiten begreifen, mag diese augenblickliche Strömung entsprechen, aber die freiheitlich gesinnten Männer, welche ehemals in der Burschenschaft lebten und wirkten, haben gewiß nicht geahnt, daß in unserer Zeit ein Kulturrückschritt unternommen würde, denn nichts war einem Ernst Moritz Arndt verhaßter als „die Knechte, die uns zu Knechten machen wollen". Allezeit ist früher die akademische Jugend gegen die Dunkelmänner für den Geist der Humanität und den Fortschritt auf geistigem Gebiete eingetreten. Heute erbaut es leider viele Jünglinge, wenn sie im „Volk" lesen: „Die trüben Wellen jener „ M o d e h u m a n i t ä t " haben ein kräftiges Werk der Überschwemmung vollzogen. In ihrem Brausen verhallten die Stimmen der ersten Männer der Nation vollkommen ungehört. Sollte es rricht möglich sein, nachdem weiteren Kreisen die Augen aufgegangen sind über die 1869 begangene Thorheit, wieder zu den alten, von der Modekrankheit freien Einrichtungen den Juden gegenüber zurückzukehren?" Wenn die Jugend dazu ihre Hülfe leiht, zu überlebten Einrichtungen zurückzukehren, dann wird sie schließlich auch dazu beitragen müssen, daß „die Wissenschaft umkehrt" und von ihr wird es