Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-07-01
- Page
- 371 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 371 auf den Realschulen; sonst haben sie überall und zwar theilweise recht bedeutende Verluste erlitten. Wenn dies in Berlin und anderen Großstädten nicht der Fall war, so lag dies einfach an den Folgen der antisemitischen Bewegung, welche viele wohlhabenden Juden veranlaßte, die Mittelstädte zu verlassen, wo ihnen durch den von den antisemitischen Terroristen weiten Bevölkerungskreisen aufgedrungenen gesellschaftlichen und geschäftlichen Boykott der Aufenthalt gründlich verleidet worden ist. Die Thatsache, daß fast nur in demselben Maßstabe, in welchem die Zahl der jüdischen Schüler in den höheren Lehranstalten der Mittelstädte abgenommen, diejenige in den Anstalten der Großstädte zugenommen hat, hat die antisemitische Presse nicht verhindert, von einem „wachsenden Einfluß des Judenthums auf das geistige Leben des Volkes" zu phantasieren. Die „Staatsbürger Ztg." verstieg sich sogar zu den nachstehenden, mit den wirklichen Verhältnissen in schroffstem Widerspruche stehenden Bemerkungen: „Die Steigerung der Zahl der jüdischen Schüler auf den höheren Schulen zieht üothrvendigerweise das immer weitere Eindringen des jüdischen Elements in die sogenannten Gelehrtenberufe nach sich, aus dem sich unsere Richter, unser Verwaltungspersonal, unsere Lehrer ergänzen. Ganz besonders spitzt sich diese Gefahr für die akademische L a u f b a h n zu. Wohin aber der Einfluß des Judenthums mit seinen subversiven Neigungen führt, das zeigen die Erfahrungen, die mit jüdischen Privatdozentcn gemacht worden sind, das zeigt auch das Verhalten der jüdischen Studenten. Beides hat den Charakter unserer Universitäten und des akademischen Lebens schon verändert. Vtäennt consules!" Nun, wenn die Konsuln recht sehen, dann werden sie sicher wahrnehmen, daß' das in den Juden vorhandene tüchtige Kultur-Element für den Staatsdienst herzlich wenig Verwendung findet, daß unter dem Verwaltungspersonal so gut wie gar keine Juden vorhanden sind, daß außerdem trotz der durch die Verfassung verbürgten Gleichberechtigung bereits mehr als ein Niegel vorgeschoben ist, welcher es den fähigsten Männern jüdischen Glaubens unmöglich macht, eine Anstellung als Lehrer oder als Richter zu erlangen, daß ferner die jetzt maßgebenden politischen Parteien sich noch fortwährend bemühen, neue Riegel anzubringen. Daß „der Charakter unserer Universitäten und des akademischen Lebens verändert ist" läßt sich leider nicht bestreiten, wohl aber, daß dies durch jüdische Privatdozenten und Studenten bewirkt worden ist. Ganz andere Autoritäten haben das akademische Leben unbehaglich gestaltet? das haben diejenigen gethan, welche das politische Partei- 25*