Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1897)
- Article
- Die Juden als Deutsche
- Date
- 1897-07-01
- Page
- 368 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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368 3m deutschen Reich. Sprache gedacht, als ahnte er, daß Deutschland einst einen Juden zu seinen größten Dichtern zählen würde. Es haben ja Juden viel in englischer, italienischer, französischer Sprache geschrieben, aber einen Heinrich Heine hat doch nur Deutschland hervorgebracht. Und die Juden als Objekt der Dichtung? England hat neben dem „Shylock" den „Juden von Malta" und Cumberlands „Juden'' hervorgebracht, mit Racines „Athalie" und „Esther" können wir auch zufrieden sein — ein Nathan konnte nur im Deutschland des achtzehnten Jahrhunderts entstehen. Bei Lessing haben wir erst die menschliche Gleichstellung der Juden; speziell in der Beziehung zu Deutschland finden wir sie bei Gustav Freytag. In seinen Bildern aus der deutschen Vergangenheit sagt er in dem Kapitel „Jesuiten und Juden": „Die Enkel der asiatischen Wanderstämme sind unsere Landsleute und brüderliche Mitstreiter geworden. Die geistliche Genossenschaft der Gesellschaft Jesu aber, schon einmal beseitigt, dann wieder lebendig gemacht, ist bis heute geblieben, was sie am ersten Tage ihrer Einwanderung in Deutschland war — fremd dem deutschen Leben". Wenn wir sehen, was in Oesterreich vorgeht, wo jetzt die Jesuitenpartei am Ruder ist, so begreifen wir auch, warum dort mit dem Judenthum gleichzeitig das Deutschthum bedrängt wird. Daß es aber auch im deutschen Reich nicht an Trübungen des Verhältniffes zwischen christlichen und jüdischen Deutschen fehlt, scheint erklärlich, wenn wir an die noch jetzt nicht überall geschwundenen, schroffen Gegensätze der einzelnen deutschen Stämme denken. „Man muß selbst erfahren haben, was es sagen will in einem Kreise, dem man übrigens ebenbürtig zu sein glaubt, und in welchem man gern volles Genüge finden und gewähren möchte, durch solche Hindeutungen auf verschiedene Abstammung, selbst wenn sie gar nicht böse gemeint sind, doch im Grunde immer für einen homo novus und Eindringling erklärt zu werden, um einzusehen, daß dies. zuletzt doch im Ernste habe verdrießlich fallen müssen." Wenn man dies liest, glaubt man die Klage eines gebildeten deutschen Juden aus der Gegenwart zu vernehmen. Die Worte finden sich aber in Danzel-Guhrauers Biographie Lessing's und beziehen sich aus deffen Stellung als geborener Sachse in Berlin. Hoffentlich wird es keine hundert Jahre dauern, bis der Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Deutschen geschwunden sein wird