Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-07-01
- Page
- 362 (sequence 5)
- Language
- German
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362 Im deutschen Reich. Wissen, durchgeistigt durch frühe philosophische Studien, r>on glänzendem Scharfsinn, von überzeugender Beredsamkeit. Voll Abscheu vor Allem, was niedrig und gemein, Feind der handwerksmäßigen Juristerei, das Recht überall auffassend als die ars boni et aequi, von warmem Herzen für alle menschliche Noth und Trübsal, gleich freundlich für arm und reich, war er eine Arbeitskraft ersten Ranges und bis in ein hohes Alter von nie ermüdendem Fleiße. Seine seltene Tüchtigkeit ließ ihn berufen werden zu jahrelanger Mitarbeit an den wichtig st en Gesetzen für Hamburg und Deutschland, zuletzt als einziger Rechtsanwalt in der ständigen Kommission für Schaffung des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Seine Arbeiten haben ihm und der hanseatischen Anwaltschaft hohe Ehren bereitet. Gegen seine Kollegen war er von stets bereiter Liebenswürdigkeit; milde, wo er zu urtheilen berufen war, ist er im Vorsitze unserer Kammer, wie durch sein ganzes Leben, ein Vorbild für die Rechtsanwaltschaft geworden und seinem Gedächtniß wird unsere Bewunderung und unsere Dankbarkeit verbleiben". Als der Bundesrath den damals bereits 73 Jahre alten Juristen im Jahre 1890 zum ständigen Mitgliede der Kommission für die zweite Lesung des Bürgerlichen Gesetzbuches ernannte, trug Wolffson mit Rücksicht auf sein hohes Alter Bedenken, diesem ehrenvollen Rufe Folge zu leisten. Nachdem er aber darauf aufmerksam gemacht worden war, daß er unter allen zu ständigen Mitgliedern Berufenen der einzige Vertreter der Rechtsanwaltschaft sei, glaubte er es dem Stande, dem er noch mit seinem ganzen Herzen angehörte, schuldig zu sein, jedes Bedenken schwinden zu lassen. Noch volle fünf Jahre hat er in Berlin an den Arbeiten der Kommission regen Antheil genommen und bis zum letzten Tage unermüdlich dem nationalen Werke seine Kräfte geliehen. In dem Bewußtsein der Förderung dieses großen Werkes und in dem Verkehr mit hervorragenden gleichgesinnten Kollegen fand Wolffson reichlichen Lohn für die mannigfachen Opfer, welche ihm im hohen Lebensalter die Entfernung von der Heimath und der Familie auferlegte. Am 12. Oktober 1895 erlag Wolffson den Folgen einer Lungenentzündung, von seiner Vaterstadt als einer ihrer besten Bürger tief betrauert. An der Beerdigung nahm ein großer Theil der