Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-07-01
- Page
- 363 (sequence 6)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 863 Hamburger Bevölkerung theil, und der Chef der Hamburgischen Justizverwaltung lieh am Tage des Begräbnisses den Gefühlen der ansehnlichen Trauerversammlung beredten Ausdruck, als er seine Rede mit den Worten einleitete: „Der Mann, den wir heute hinaustragen sollen, war einer der bedeutendsten Geister, der verdientesten Bür ge r unserer Stadt, einer der besten und edelsten unseres Volkes und unserer Zeit. Ich wüßte keine Tugend, die ihm gefehlt hätte, keinen Fehler, der an ihm merkbar hervorgetreten wäre. Er war tüchtig und bescheiden, arbeitseifrig und uneigennützig, gefühlvoll und standhaft, sparsam und wohlthätig, bedürfnißlos und freigebig, ein zärtlicher Gatte und Vater, ein treuer Freund, ein liebenswürdiger Gesellschafter. Wahrhaftigkeit und Wohlwollen bildeten den Grundzug seines Charakters, dessen wohlthuende Wärme Jeder empfand, der ihm nahe kam. Er gehörte zu den seltenen Menschen, die in einem thätigen Leben nicht nur im Handeln unsträflich, sondern rein im Gedanken bleiben, denen das Gemeine und Schlechte als ein Fremdes und Unverstandenes gegenübersteht." An dem Sarge des als Jude geborenen und als Jude gestorbenen würdigen Volksvertreters wurde diesem die wohlverdiente Anerkennung gezollt, daß er einer der besten und edelsten des deutschen Volkes gewesen sei, und damit wurde zum Ausdruck gebracht, daß man sehr wohl ein treuer Deutscher in dem edelsten Sinne des Wortes sein könne, ohne dem Judenthum untreu zu werden und seine Abstammung zu verleugnen. Das in Bronze ausgeführte Bildniß Jsgac Wolffsons wird in dem Hamburger Rathhause, dessen Bau nahezu vollendet ist, künftig einen Ehrenplatz erhalten, aber ein Denkmal dauernder als Erz hat er sich selbst errichtet durch seine Werke in den dankbaren Herzen zahlreicher deutscher Staatsbürger, und seine jüdischen Glaubensgenossen werden es stets mit besonderer Befriedigung empfinden: Er war unser! A. L.