Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1897)
- Article
- Religiöse Wechselwirkungen
- Date
- 1897-07-01
- Page
- 355 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Religiöse Wechselwirkungen. 355 veröffentlicht hat, weist Schürer zunächst die Existenz jüdischer Gemeinden in dieser Gegend bald nach der Zerstörung des zweiten Tempels nach: Mitglieder von jüdischen Gemeinden erklären urkundlich die Freilassung von Sklaven und Sklavinnen, u. a. mit der Bedingung, täglich die Synagoge (Proseuche) zu besuchen Md unter Anwendung der im nördlichen Griechenland üblichen Form der Freilassung, nach welcher der freigelassene Sklave fiktiv an eine Gottheit verkauft (hier „der Synagoge geweiht) wird. Aus mehreren Inschriften, die 200 Jahre jünger sind und aus derselben Gegend stammen, erfahren wir weiterhin die Existenz von Bruderbündnissen (aiwioi) der Verehrer des höchsten Gottes (3°p»i«vot &säv ujnatov): Neuaufgenommene ehren Gott durch Aufstellung einer steinernen Tafel (-X-r^-o, in die sie ihre Namen einmeißeln; in der Tafel werden zugleich die rpssßikspoi, ältere Mitglieder der Genossenschaft, erwähnt, die die Neuaufgenommenen unterweisen und ausbilden — und zwar nicht bloß in dem Kultus des höchsten Gottes; auch die Pflege der körperlichen Uebungen hat sich der Bruderbund u. a. zur Aufgabe gestellt, dafür sorgt ein Besonderer Werth wird ferner auf die Erziehung der Jugend gelegt, damit diese dereinst die Blüthe des Bundes erhöhe; dem wto? liegt diese Aufgabe ob. Jeder zählt ungefähr 40 Mitglieder; von einem Zusammenschluß der einzelnen Vereine erfahren wir nichts, sie sind wohl nur durch das geistige Band des gleichen Kultus zusammengehalten worden. Ueberzeugend weist der gelehrte Verfasser nach, daß mit dem Ausdruck nur vereinzelt der griechische Zeus bezeichnet wird; dagegen kommt auf dem Boden der biblischen Welt diese Bezeichnung so außerordentlich häusig vor (namentlich in den späteren Büchern des Kanons und in den Apokryphen, auch in Inschriften von jüdischer Seite), daß diese Bezeichnung zweifellos bei denjenigen Juden, die sich der griechischen Sprache bedienten, üblich gewesen sein muß. Von großem Interesse ist ferner das Verhältniß, das zwischen den Mitgliedern des „Bruderbundes" und ihren jüdischen Nachbarn, von denen ja der Bund seinen Ausgang »genommen hatte, bestand. Keineswegs wurden die Mitglieder des Bundes völlige Anhänger der jüdischen Religion; sie gehörten vielmehr, wie aus der Bezeichnung ihrer Vereinigung heroorgeht, zu der nicht unbedeutenden 24'