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Im deutschen Reich · 1897-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1897) · p. 354

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1897)
Article
Religiöse Wechselwirkungen
Date
1897-07-01
Page
354 (sequence 2)
Language
German
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354 )m deutschen Reich. Geist auf sie übte. Der Uebermuth der „Griechlinge" und dar blinde Wüten des Syrerkönigs AntiochuS. Epiphanes gegen die altehrwürdigen Institutionen des jüdischen Volkes führten zu der gewaltigen Erhebung der Makkabäer und damit zur völligen Zurückweisung der griechischen Ideen und zur Rückkehr zu den nationalen Bildungselementen. Wie hier der hellenische Geist einen bedeutenden Einfluß auf die besondere Kultur des jüdischen Volkes übte, so finden wir weiterhin umgekehrt eine nicht minder tiefe Einwirkung der jüdischen Lehre auf die Völker, mit denen die Juden in Berührung kamen. Nach Vernichtung der politischen Organisation kommt den Juden ihr eigentlicher Beruf, ein Reich von Priestern zu sein, Kämpfer für den reinen Gottesglauben, erst zum vollen Bewußtsein: Dieser Bemf erhebt sie über die grauenvollen Leiden, denen sie von den verschiedensten Seiten im Laufe der Jahrhunderte ausgesetzt sind, dieser Beruf bewahrt ihnen ihren Glauben, erfüllt sie für denselben mit Begeisterung und verschafft ihm mehr oder weniger tiefe Einwirkung bei den Stämmen, in deren Mitte sie leben. In Deutschland wird dieser Einfluß der jüdischen Lehre bereits zur Zeit der Karolinger der herrschenden Religion so bedrohlich, daß die geistlichen Machthaber ihr in zahlreichen Konzilsbeschlüffen und päpstlichen Dekreten, welche Julius Aronius in seinen „Regesten zur Geschichte der Juden im fränkischen und deutschen Reiche" gesammelt hat, entgegenzuwirken suchen. Alle die zahlreichen Erlasse sollten eine möglichst scharfe Trennung der Juden von den christlichen Nachbarn herbeiführen, doch erwiesen sie sich völlig vergeblich und wirkungslos, bis mit einem Male der durch die Kreuzzüge entflammte Fanatismus die Sonderung vollbrachte und die jüdischen Bewohner des Römischen Reichs deutscher Nation zu elenden Kammerknechten erniedrigte. Ueber frühere Einwirkungen der jüdischenLehre aufBewohner der Gegenden am Bosporus hat neuerdings Professor Emil Schürer äußerst werthvolle Nachweise erbracht*). Gestützt aus griechische Inschriften, die am Bosporus aufgefunden worden sind, und die Latyschev vollständiger, als es bis dahin geschehen war, 1890 zu Petersburg *) „Die Juden im bosporanischen Reiche und die Genossenschaften der oäßöiiävo'. ö-siv ai'.rov ebendaselbst" in den Sitzungsberichten der Kgl. preuß. Akademie der Wissenschaften zu Berlin (1897. XIII). Sitzung vom 4. März d. I.

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