Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1897)
- Article
- Religiöse Wechselwirkungen
- Date
- 1897-07-01
- Page
- 356 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316632-2320792--02751-2320874- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
356 Im deutschen Reich. Schar der „GotteSfürchtigen" metusntes), die uns aus der jüdischen Geschichte namentlich zu Beginn unserer Zeitrechnung bekannt sind. Diese „GotteSfürchtigen" benutzten den jüdischen Kultus, beobachteten die elementarsten jüdischen Speise- und Reinheitsgesetze, traten aber nicht in den eigentlichen Verband der jüdischen Gemeinden; sie befolgten deshalb u. a. auch nicht die Ceremonie dtt Cirmmcision. Bei den GotteSfürchtigen am Bosporus finden sich neben den Formen des jüdischen Kultus auch einige des griechischen, den sie früher wohl beobachtet haben: Sie haben einen Opferpriester, obwohl bei den Juden das Opfern außerhalb Jerusalems verpönt war, auf mehreren Inschriften findet sich auch das Bild eines Adlers, der immer als Symbol des obersten griechischen Gottes gegolten hat. Aehnliche Bildungen wie hier am Bosporus treten im 4. Jahrhundert n. Chr. in Cappadocien auf: Es sind die „Hypsistarier", welche gleich den Juden den Sabbath und gewisse Speiseverbote beachteten, den Allmächtigen anbeteten, aber daneben eine gewisse Verehrung dem Feuer und den Lichtkörpern erwiesen — hier hat also eine Verbindung des jüdischen Kultus mit dem Parsismus stattgefunden. Griechisch-jüdische Verbindungen werden ferner von Schürer aus den Schriften des Epiphanias und Cyrillus von Alexandria in Phönizien und Palästina nachgewiesen; in gleicher Weise sind die „coelicolae" (Himmelsgläubige), von denen in Erlasien der Kaiser Honorius und Theodosius im Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. die Rede ist, als jüdisch-hellenische Bildungen aufzufasien. In den Kreisen dieser religiösen Genossenschaften fand, wie Schürer nachweist, die Predigt von Christo besonders freundliche Aufnahme; die Genosienschaften schlossen sich willig der neuen Lehre an, die, wie sie selbst es thaten, die jüdische Gesetzlichkeit nicht unbedingt anerkannte. Die Bildung heidenchristlicher Gemeinden ist also nicht, wie bisher allgemein angenommen wurde, ausschließlich das Werk des Paulus gewesen; an vielen Stellen erntete das Christenthum mühelos Früchte einer Saat, die der jüdische Geist in die heidnischen Massen gelegt hatte. Neben diesem für die Entstehungsgeschichte des Christenthums so wichtigen Ergebniß ist noch eine zweite Folgerung des Verfassers für uns von großem Interesse: Mit Recht zieht Schürer aus