Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 324 (sequence 6)
- Language
- German
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324 3m deutschen Reich. von einer Bewegung haben können, Lie sich nicht nur. gegen Judenthum und Juden, sondern gegen Alle richtet, deren arische Abstammung nicht völlig außer Zweifel steht. Der von der schwäbischen Reformpartei unternommene Vorstoß gegen die angeblich geheim gehaltenen Gesetz- und Lehrbücher des Judenthums dürfte der letzte Versuch dieser Art gewesen sein. Als am 21. Mai über die Eingabe Fritz Bösenbergs umUebersetzung desSchulchanAruchim Württembergischen Landtage zur Berathung stand, wurde der Antrag der Kommission auf Uebergang zur Tagesordnung angenommen. Im Verlaufe der Debatte hatte der Prälat von Schwarzkopf sich gegen jede un christliche Unterdrückung der Juden ausgesprochen und erklärt, daß die württembergischen Synagogen unter einer trefflichen Oberleitung stänken, so daß zu der beantragten staatlichen Prüfung des Schulchan Aruch in Württemberg am allerwenigsten Anlaß vorhanden sei. Der Minister Dr. v. Sarwey hatte betont, daß gegen den israelitischen Religionsunterricht nichts einzuwenden sei und israelitische Lehrbücher nur mit Genehmigung des Kultusministeriums oder der Oberkirchenbehörde eingeführt werden könnten. So recht bezeichnend für die antisemitische Kampfesweise ist es, daß die „Deutsche Wacht", welche vor dieser Entscheidung die Hoffnung geäußert hatte, man werde zu der Erkenntniß kommen, „daß die Anhänger des Schulchan Aruch unter eine passende Ausnahmegesetzgebung gestellt werden muffen", nachher am 31. Mai schrieb: „W ir wollen den Juden, ohne uns des Rechts der freien Kritik selbstverständlich zu begeben, den ganzenSchulchan Aruch mit allem,was drum und dran hängt, gerne schenken. Auch dem Prälaten Schwarzkopf wollen wir seine Meinung über die „unchristliche Unterdrückung der Juden seitens der Christen" nicht streitig machen, denn zur Begründung der Nothwendigkeit entschiedensten nationalen Kampfes gegen das Judenthum pflegen sich denkende Männer weder auf alte Bücher jüdischer Rabbiner noch auf unmaßgebliche Privatmeinungen schwäbischer Prälaten, sondern lediglich auf die Thaten der heute unter uns lebenden Juden zu berufen. Daß dabei schließlich der Inhalt des Schulchan Aruch ganz nebensächlich ist, ist klar. Ob einer das jüdische Buch für gut oder schlecht hält, ist für den R a s s e a n t i s e m i t i s m u s vollkommen gleichgültig. Ob der Jude nach mosaischen Grundsätzen lebt, ob er sich taufen läßt, ist ganz gleichgültig, weil im nationalen Kampfe nicht der Glaube, sondern lediglich die Abstammung unterscheidet! Heil!" Welches Heil bei diesem Rassenkampfe herauskommt, das sieht man jenseits der schwarzgelben Pfähle. In der am 3. Juni in der öfter-