Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1897-06-01 · Heft 6 (Juni 1897) · p. 325

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 6 (Juni 1897)
Article
Umschau
Date
1897-06-01
Page
325 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316624-2316631-2320618--02650-2320732
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 825 reichis chen ReichshaupLstadt abgehaltenen Generalversammlung des Abwehrvereins sagte der Vorsitzende Freiherr von Suttner in der Eröffnungsrede: „Es lastet wie ein Fluch auf den Bewohnern Oesterreichs; überall herrschen Haß, Hader und Zwietracht. Wir verdanken dies dem Antisemitismus, von welchem die Parole ausgegangen ist: „Schmähe deinen Nächsten, beschimpfe, verfolge ihn, hetze ihn zu Tode!" Das Pharisäerthum ist eine Macht geworden in unserm Vaterlands. Heute im Zeitalter des Dampfes und der Elektrizität sehen wir, wie die Bestie im Menschen frisch auflebt und die Wildheit in erschreckendem Maße zunimmt." Hofrath Nothnagel bezeichnete die ganze Bewegung als „eine schamlose, als das treibende Moment derselben die Gier nach dem, was der Andere besitzt." Er fügte hinzu: „Der Antisemitismus wird durch den Antisemitismus geheilt werden. Wir sind bereits auf dem besten Wege, die Früchte des Antisemitismus in Wien am eigenen Leibe zu verspüren; wir sehen den Schaden, den die antisemitische Bewegung anrichtet. Der Fremdenzufluß ist geringer geworden, mehrere kleinere Hotels und Einkehrgasthäuser sind eingegangen, die besser situirten Juden aus dem Süden und Osten meiden bei ihrer Fahrt nach den böhmischen Bädern Wien wie durch ein stillschweigendes Uebereinkommen." Eine weit schlimmere Folge der österreichischen Judenhetzerei dürste aber darin zu erblicken sein, daß das Treiben der Politiker vom Schlage Lichtensteins und Luegers den Liberalismus ruinirt und das Ministerium Badeni gezwungen hat, eine Stütze bei dm deutschfeindlichen Parteien zu suchen. Die antisemitischen Politiker, welche jetzt am heftigsten gegen die von jedem Deutschen als verhängnißvoll angesehenen „Sprachenverordnungen" zetern, sind es gerade, welche den leitenden österreichischen Staatsmann in diese schlimme Sackgasse gedrängt haben. Sie sind es aber auch, welche durch ihre Massenkundgebungen außerhalb ihres Vaterlandes eine Rückkehr aus dieser Sackgasse hemmen oder ganz unmöglich machen. Wenn das antisemitische „Grazer Wochenblatt" den Grund der vielfachen Mißbilligungen der kürzlich in Sachsen veranstalteten Kundgebungen gegen das österreichische Ministerium in dem Umstande suchte, daß dabei der Führer der deutsch-sozialen Reformpartei Abg. Zimmermann den Gastgeber spielte, dürfte es wenigstens in so weit das Richtige getroffen haben, als der geschäftsantisemitische Anstrich der Sache kaum genützt hat. Das „Wiener Tageblatt" schrieb: Die „Deutsche Wacht" ist innerhalb dreier Jahre auf ein Drittel ihrer Abonnentenzahl gesunken. In der jüngsten Zeit wurde ein letzter verzweifelter Versuch gemacht, um der dem Verfalle entgegengehenden Reformpartei ihr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.