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Im deutschen Reich · 1897-06-01 · Heft 6 (Juni 1897) · p. 321

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 6 (Juni 1897)
Article
Umschau
Date
1897-06-01
Page
321 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 321 hast entgegengetreten, offen herbeizuwünschen. Den Ausgang des Tausch-Prozesses besprechend, schrieb der „Temps": „Freiherr von Marsch all geht fort als Besiegter! Sein Urlaub ist Vorwand, der Niemanden täuschen wird. Die Geheimpolizei hat über die Diplomatie gesiegt, die Couliffen-Jntrigue über die offene Politik. Tausch ist der wahre Triumphator des Tages." Daher der Jubel in den Reihen der Antisemiten, denen der Staatssekretär von Marschall keinen Vorschub geleistet .hatte. Deshalb erklärte der „Badische Volksbote" offenherzig: „Da wir längst aus tiefster Ueberzeugung und nach bestem Wissen und Verstehen einer wahrhaft nationalen (der „Bad. Volksbote" meinte damit: antisemitischen) Politik diesen Mann in so wichtiger Stellung als eine Gefahr für unser Reich erkannt haben, so ist uns das Wichtigste, daß er seinen Platz verläßt; von nebensächlicher Bedeutung, warum er es Lhut: ..." Für Jeden, der die antisemitischen Sturmvögel kennt, dürfte aber der Grund, warum der bei der „Staatsbürger - Zeitung", der „Tägl. Rundschau", dem „Bad. Volksboten" und anderen Blättern dieser Farbe unbeliebte Staatsmann seinen Platz verläßt, keineswegs von nebensächlicher Bedeutung sein. Wenn die Luft im Staatsleben so gewitterschwül ist, und auch am Horizont wieder die dunklen Wolken Heraufziehen, „die unser Haus bedräut" haben, dann sind wahrlich mehr als je Wachsamkeit, Festigkeit, Eintracht und Treue nöthig, um eine stürmische Zeit glücklich zu überdauern. Selbsttäuschung wäre es, von der Uneinigkeit der Judengegner auf die Ungefährlichkeit der antisemitischen Bewegung zu schließen. Weil etwa der ehemalige Hosprediger Stöcker sich bei der Berathung der Vereinsgesetz-Novelle im preußischen Abgeordnetenhause veranlaßt sah, mit der Linken gegen die Rechte zu wenden, weil die konservative „Schlesische Zeitung" den Bund der Landwirthe wiederholt und recht eindringlich vor dem Herandrängen der Antisemiten warnte, weil die „Deutsch-Sozialen" Försterscher Richtung öffentlich erklärten, in allen Wahlkreisen, aus welche Ahlwardt, Bodeck und Genossen reflektiren (Schievelbein-Dramburg, Friedeberg-Arnswalde, Eisleben, Landsberg-Soldin, Stargardt-Pyritz, Hagen und Danzig), ebenfalls Kandidaturen ausstellen zu wollen, oder weil , die konservativ-antisemitischen „Dresdner Nachrichten" und das Organ der deutsch-sozialen Neformpartei „Deutsche Wacht" sich in letzter Zeit täglich beschimpften, deshalb ist die antisemitische Gefahr noch lange nicht vorüber! Es ist wohl zutreffend, wenn die „Germania" bemerkt, „daß die Antisemiten fast so viele Fraktionen als Abgeordnete haben", aber man schlägt sich hier um die geringste Beute und verträgt 22*

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