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Im deutschen Reich · 1897-06-01 · Heft 6 (Juni 1897) · p. 320

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 6 (Juni 1897)
Article
Umschau
Date
1897-06-01
Page
320 (sequence 2)
Language
German
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320 Im deutschen Reich. mitismus noch nicht einen einzigen politischen Gedanken hervorgebracht habe", und er beklagte, daß das starre Anschließen einzelner Stände gegen jede jüdische Betheiligung eine tiefe Kluft habe entstehen lassen, „welche es verhindert, daß die besseren Theile des Judenthums auf die alte deutsche Kultur und deutsche Geisteskraft allgemeinen, tiefgreifenden Einfluß gewinnen". Diese vielverbreitete „Scheu vor dem freien, selbstsicheren Auftreten im öffentlichen Leben" hat leider dazu geführt, daß die Willensmeinung der Besten und Edelsten des deutschen Volkes nur selten zum Ausdruck gelangt, während zeine kleine Schaar berufsmäßiger Hetzer durch tönende Phrasen die Massen zu verwirren und ihre schlimmsten Instinkte, Argwohn, Neid und Haß wachzurufen sucht. Diese Scheu hat aber auch die bedauerliche Folge gehabt, daß die Schaar der Schreier es als einen Einbruch in ihr Gehege betrachtet, wenn ein Anderer als sie an die öffentliche Meinung zu appelliren wagt und im Vertrauen auf das Gerechtigkeitsgefühl des Volkes die „Flucht in die Oeffentlichkeit" unternimmt. Die Behauptung der „Staatsbürger- Zeitung", daß die bei dem Abschlüsse des ominösen Tausch- Prozesses im Zuschauerraum anwesend gewesenen fünfzig Juden gemurrt hätten, ist selbstverständlich ebenso ungegründet, wie diejenige, daß „die Juden und Judengenoffen über die Freisprechung des Herrn von Tausch rein aus dem Häuschen seien". Nicht die den meisten Juden gewiß gleichgiltige Freisprechung, sondern diese nachträgliche ' Fruktifizirung derselben seitens der antisemitischen Presse mußte bei Allen Bedenken erregen, welche die Bedeutung des Jubels der „Täglichen Rundschau" über dasjenige würdigten, was nach ihren Worten nicht nur in den feinen Kreisen, sondern noch viel ursprünglicher als vox populi i n den unteren Schichten dabei zum Ausdruck gelangte. Ein Meisterwerk der Verdrehung lieferte die „Staatsbürger-Ztg.", indem sie in einem „Wahrheit" überschriebenen Artikel den Jntriguanten Normann-Schumann, der einst nach Leipzig geschickt wurde, um die Antisemiten zu bewachen, dort aber selbst Judenhetz- Artikel verfaßte, denselben Normann-Schumann, der nicht nur eine Brochüre gegen Buschoff schrieb, sondern auch auf eigene Faust eine Art Voruntersuchung gegen Buschoff ins Werk setzte, nachträglich als einen Agenten hinstellte, der im Interesse des Judenthums gegen den Antisemitismus gearbeitet habe! Herr von Marschall sei selbst durch ein Netz von Jntriguen umsponnen. Das hindert selbstverständlich die Antisemiten nicht, den Rücktritt dieses Staatsmannes, welcher der „antisemitisch-agrarischen Fronde" mann-

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